Lhotzkys Literaturbuffet

Unter „BooksInVienna_stores“ stelle ich euch Wiener Buchhandlungen und deren BesitzerInnen vor. Teil 3 beschäftigt sich mit Lhotzkys Literaturbuffet in der Rotensterngasse.

Sein ausgeprägtes Interesse für Bücher verdankt Kurt Lhotzky unter anderem dem Lyriker Herbert Wadsack. „Ich konnte schon lange vor der Schulzeit lesen und hatte das große Glück, später in der Städtischen Bücherei am Brigittaplatz auf Herbert Wadsack zu treffen“, erzählt Lhotzky. Wadsack, Schriftsteller und ehemaliger Fabriksarbeiter, war zwischen 1957 und 1972 als Bibliothekar im 20. Bezirk tätig. „Er war es, der mich nach Rücksprache mit meinen Eltern schon im Alter von zehn Jahren Bücher der Erwachsenenabteilung lesen ließ und mich in den literarischen Kanon eingeführt hat“, erzählt Lhotzky.

lhotzky_portrait

Noch in  seiner Jugend plante Lhotzky eigentlich Journalist zu werden. Im Rahmen eines Praktikums bei der APA merkte er jedoch schnell, dass ihm dieser Beruf doch nicht behagt. Nach Abbruch der Schule „hat mich dann der Buchhandel ereilt.“ Lhotzky begann im Kleinen Buchladen, einer „klassischen linken Buchhandlung“ im 9. Bezirk, wo er das Buchhandelsgeschäft von der Pike auf erlernte. Es folgten Anstellungen in diversen anderen Buchhandlungen.

Mit der Zeit entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau Andrea schließlich das Konzept für eine Mischung aus Buchhandlung und Café. „Ich habe die Erfahrung als Buchhändler mitgebracht und meine Frau die Gewerbeberechtigung für die Gastronomie. Gemeinsam hatten wir recht vage Vorstellungen. Als wir das leerstehende Lokal in der Rotensterngasse gesehen haben, ist aber alles rasend schnell gegangen. Das war eine Sache von wenigen Wochen.“

In den ersten Wochen und Monaten betrieben die beiden „lebendige Marktforschung“, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Bücher besonders nachgefragt werden. Mit der Zeit bildete sich schließlich ein allgemeines Sortiment mit unterschiedlichen Schwerpunkten heraus. Neben einem sehr gut sortierten Kinderbuchbereich sind dies „gute Bücher jenseits des Mainstreams“ aus den Bereichen Zeitgeschichte und Politik sowie Krimis. Auch zur Geschichte des zweiten Bezirks findet sich einiges im Sortiment.

lhotzky_inhalt

Ganz generell sieht sich Kurt Lhotzky als Buchhändler in der Pflicht, „eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Wenn ich Mainstream-Schinken und Bestseller hier staple, werden die Leute zugreifen, weil sie glauben, dass es sich um gute Literatur handelt. Wenn ich aber gute Literatur abseits des Mainstreams auflege, werden sie diese auch nehmen.“ Lhotzky nimmt diese Verantwortung auch in der Beratung hinsichtlich einzelner Titel wahr. „Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin nicht bestellt habe. Bis auf zwei Exemplare für Kunden, die sich wissenschaftlich mit diesem schrecklichen Buch auseinandergesetzt haben. Allen anderen haben wir von einer Bestellung abgeraten.“ Wie Kundinnen und Kunden darauf reagieren? „Der Großteil versteht das voll und ganz. Und diejenigen, die sich aufregen, bei denen weiß man, dass die politische Erziehung ohnehin nicht im Buchhandel stattfinden kann.“
(Dieser Beitrag erschien bereits in längerer Fassung im Dezember 2015 auf www.polditown.at)

get in contact: Lhotzkys Literaturbuffet, Rotensterngasse 2 – Web: www.literaturbuffet.com – Lhotzkys Literaturbuffet auf Facebook – E-Mail: office@literaturbuffet.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s