Philogreissler Café

Unter „BooksInVienna_stores“ stelle ich euch Wiener Buchhandlungen und deren BesitzerInnen vor. Für Teil 5 habe ich mich mit Gerd Fraunschiel vom Philogreissler Café in der Kaiserstraße getroffen. Zu diesem Beitrag verlose ich unter allen Mitgliedern der Facebook-Gruppe Books in Vienna, die das dortige Philogreissler-Posting liken, einen 10-Euro-Gutschein für den Philogreissler (die Auslosung findet am 4. Februar 2016 statt).

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Als Gerd Fraunschiel zehn Jahre alt war, legte er eines Tages Die Drei Fragezeichen zur Seite und wechselte ohne weiteren Zwischenstopp zu Franz Kafka. „Ich habe schon immer viel gelesen und irgendwann war da dieses Kafkabuch. Ich weiß gar nicht mehr, ob es Der Prozeß oder Das Schloß war“, erzählt Fraunschiel. Die Begeisterung für philosophisch orientierte Erwachsenenliteratur entstand bei ihm also schon sehr früh. Eine Begeisterung, die er später als Lehrer (Sport und Philosophie) und seit April 2015 schließlich als Besitzer des Philogreisslers in der Kaiserstraße ausleben sollte. „Ich habe schon immer gewusst, dass ich nicht als Lehrer alt werden möchte. Und dann ist mir das hier untergekommen“, erklärt Fraunschiel.

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Das hier ist der Philogreissler, den Fraunschiel als „philosophischen Nahversorger mit klassischen philosophischen Werken und Büchern zu den Themen aus dem Großraum des Denkens“ positioniert hat. Achtzehn Monate dauerte die Planungsphase von der Idee bis zum Entdecken des perfekten Ladenlokals. Dass der Philogreissler seine Heimat irgendwo in der Nähe der Mariahilferstraße finden würde, stand für Gerd von vornherein fest. „Ich wohne im siebten Bezirk, Neubau ist auch mein Lieblingsbezirk. Leider sind die Straßenzüge hier ziemlich verbaut und es gibt nur wenige Erdgeschosslokale mit viel Sonnenlicht. Deswegen habe ich mich, als ich die hellen Räumlichkeiten in der Kaiserstraße gefunden habe, sofort in den Raum verliebt“, erzählt er rückblickend. Wo sich früher ein Ballettausstatter, ein Damenfitnessstudio und ein Solarium befanden, lädt nun also der philosophische Nahversorger mit Wohnzimmeratmosphäre zum Schmökern und Verkosten von Fair Trade Kaffee ein.

PhilosophieBuchFBDie Auswahl des Buchsortiments trifft Gerd großteils aus persönlichen Motiven. Spannend findet er Neuerscheinungen von noch lebenden Philosophen, die sich mit der Gegenwart auseinandersetzen. Sehr wichtig ist ihm, dass die Bücher neben dem Inhalt haptisch etwas hergeben und den Kunden auch optisch ansprechen. „Leider gibt es im Philosophiebereich viele Verlage, die offensichtlich viel Geld und Aufwand darin investieren, dass die Bücher nicht so gut aussehen. Anders kann ich mir manche Layouts nicht erklären“, sinniert Gerd. Seine Vorliebe für spannend gestaltete Bücher erklärt er mit seinem früheren Lehrerjob, schließlich war er jahrelang damit beschäftigt, Menschen, die (noch) nichts mit Philosophie am Hut haben, zumindest für einen vorurteilsfreien First Contact zu gewinnen. Dasselbe Konzept verfolgt Gerd nun beim Philogreissler: „Leuten, die bisher nicht so viel mit dem Thema zu tun gehabt haben, durch spannende und grafisch ansprechende Bücher auf den Geschmack zu bringen.“ Ein Best-Practise-Beispiel dafür sei Das Philosophie-Buch aus dem DK Verlag, „darin hat ein Grafiker die Sachen gut visualisiert, das finde ich super für den ersten Kontakt.“

Zusätzlich findet sich im Philogreissler auch ein kleines Sortiment an Büchern, das sich auf den ersten Blick nicht mit klassisch philosophischen Themen auseinandersetzt, wie zum Beispiel Ingrid Brodnigs Der unsichtbare Mensch. „Philosophie ist ja ein großes Thema und nachdem es auch bei aktuellen Fragestellungen rund um Big Data oder Internet letztlich immer um den Menschen geht, ist das natürlich auch aus philosophischer Sicht interessant“, sagt Gerd. Hin und wieder kommt es auch vor, dass Kunden die philosophische Wohnzimmeratmosphäre bei Kaffee, Quiche oder Kuchen zu einem Gespräch über Martin Heidegger oder andere Persönlichkeiten nutzen wollen. „Leider ist Heidegger nicht gerade mein Spezialgebiet, aber mit meinem Mitarbeiter kann man sich stundenlang über ihn austauschen“, erklärt Gerd, der selbst eher bei Hannah Arendt und Michel Foucault daheim ist.

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Das Konzept des Philogreisslers besteht neben dem Buchsortiment und dem Café auch auf der Abhaltung von Veranstaltungen. Seine Familie, das Café und die Organisation des klassischen Buchgeschäfts erfordern jedoch soviel Zeit, dass Gerd nicht im gewünschten Ausmaß dazu kommt, Veranstaltungen zu konzipieren. „Im Allgemeinen hält jemand bei Philosophie-Veranstaltungen einen Vortrag und im Anschluss können die Leute Fragen stellen. Das wollte ich ein bisschen mit Veranstaltungen aufbrechen, die aus dem Rahmen fallen und die Leute – im positiven wie im negativen Sinne – irritieren. Aber Neues zu etablieren, ist immer sehr schwierig und erfordert viel Energie und Planung“, erklärt Gerd. Nichtsdestotrotz stehen auch im Februar 2016 einige Veranstaltungen auf dem Programm, den Auftakt macht „Onkel Wanja – Tragikkomödie von Anton Tschechow“ am 13. Februar. Eine Übersicht mit allen Veranstaltungen findet ihr auf der Facebook-Seite des Philogreisslers. Und wer weiß, vielleicht findet eines Tages auch eine Veranstaltung statt, die den philosophischen Bogen von den Drei Fragezeichen zu Franz Kafkas Prozeß spannt.

get in contact: Philogreissler Café, Kaiserstraße 35, 1070 Wien (Mo – Fr 9:30 – 18 Uhr, Sa 10:30 – 18 Uhr) – www.philogreissler.at – Philogreissler auf Facebook

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