Klever Verlag

Unter „BooksInVienna_publish“ werden auf diesem Blog Wiener Verlage präsentiert. Für Teil 2 habe ich mich mit Ralph Klever vom Klever Verlag getroffen. Zu diesem Beitrag verlose ich unter allen Mitgliedern der Facebook-Gruppe Books in Vienna, die das dortige Klever Verlag-Posting liken, ein Exemplar von „Hamlet oder Happel“ (Wendelin Schmidt-Dengler) sowie von „Barca – Evolution des Fußballs“ (die Auslosung findet am 24. Februar 2016 statt).

Das Telefon ist Ralph Klevers ständiger Begleiter an diesem grauen Montagvormittag, an dem ich ihn in seinen neuen Verlagsräumlichkeiten in der Hochstettergasse im noch nicht so schicken Teil des zweiten Bezirks besuche. Der Verleger erwartet an diesem Vormittag die Lieferung der frisch gedruckten Ausgaben von Kein Wort für Blau seines Autors Daniel Wisser. Mangels Sekretärin in seinem Ein-Personen-Unternehmen muss der Chef dann halt selbst ans Telefon. Dazwischen bleibt jedoch genug Zeit für ein interessantes Gespräch über seinen Verlag und dessen Entstehung.

Ralph Klever FBEs war „purer Zufall“, dass Ralph Klever nach dem Geschichte- und Germanistik-Studium in das Verlagsgeschäft eingestiegen ist. „Ich habe im Sommer 1993 von einem Freund gehört, dass der Verleger Helmut Ritter jemanden für eine Literaturreihe sucht. Ich bin dann zu ihm gegangen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden“, blickt der 48-Jährige zurück. Schon zuvor hatte er zu Schulzeiten immer viel gelesen, was wohl auch an der familiären Umgebung lag. Die Mutter war Volksschullehrerin, die „von ihren Schülern gefürchtete“ Großtante unterrichtete im Gymnasium Englisch und Französisch. Die Liebe zu Büchern blieb Klever auch während des Studiums erhalten. Dass er das Lesen anschließend für den Kärntner Ritter Verlag auch berufsmäßig betreiben und dabei seiner Leidenschaft frönen durfte, bezeichnet er heute als „Glücksfall“.

Im Ritter Verlag lernte er das klassische Verlagsgeschäft als Lektor kennen, 2003 wechselte er zum Moldenverlag nach Wien, wo er mit der Verlegerlegende Fritz Molden zusammenarbeitete. „Als ich auf die Vierzig zugegangen bin, habe ich mich dann gefragt, wie ich im und mit dem Literaturbetrieb weitermachen will“, sagt Klever, der bei Molden auch Einblicke in strukturelle und finanzielle Verlagsbereiche erhielt. Ein Anstoß zur eigenen Verlagsgründung waren schließlich die zahlreichen Gründungen von interessanten jungen Literaturverlagen in Deutschland um das Jahr 2000 herum, „das hat mir einen gewissen Auftrieb gegeben“. Und so machte er sich im Jahr 2008, dank seiner in den Jahren zuvor geschlossenen Kontakte und der gesammelten Erfahrungen „ganz gut präpariert“, an die Gründung des Klever Verlags.

Das Verlagsprogramm ist auf drei Schienen aufgebaut: Essay, Lyrik und Prosa. Die erste Autorin, die Klever in seinem Verlag herausbrachte, war Ann Cotton mit Nach der Welt. Die Liste der Konkreten Poesie und ihre Folgen mit einem Nachwort von Wendelin Schmidt-Dengler. Ob auch eigene Lesegewohnheiten in das Programm des Verlags hineinspielen? „Natürlich“, sagt Ralph Klever, „es ist stets mein Anspruch, etwas Eigenständiges und Eigenwilliges zu machen und ich schaue dabei auch nicht zu sehr auf die Verkaufbarkeit von Büchern.“ Als „avancierte Literatur“ würde Klever die inhaltliche Ausrichtung beschreiben, „da steckt für mich das Bemühen dahinter, auszuloten, was möglich ist.“ Natürlich gehört es auch zu den inhaltlichen Aufgaben eines Verlegers, sich ein „bisschen selbst zu disziplinieren. Es wäre sinnlos zu sagen, dass ich jetzt auch noch eine Kinderbuch- oder eine Krimischiene mache“, so Klever. Dass der Verleger mit seiner Ausrichtung nicht ganz falsch liegt, zeigt so manche Auszeichnung für seine Autoren, wie der Schweizer Literaturpreis für Urs Allemann (2014 für in sepps welt: Gedichte und ähnliche Dinge) oder die für ihr „bestes Lyrikdebut“ ausgezeichnete deutsche Autorin Sina Klein (2014 für narkotische kirschen. Gedichte).

Zum Programm gehören auch Autoren wie der 1993 verstorbene französische Erzähler Henri Thomas, dessen Übersetzung von Meineid 2012 erschien und unter anderem von der FAZ besprochen wurde. In diesen Tagen erscheint eine Übersetzung des Kurzromans Die Nacht von London, in dem sich Henri Thomas mit den Phänomenen Masse und Individuum auseinandersetzt. Ebenfalls Teil des aktuellen Frühjahrsprogramms ist das, auf den ersten Blick aus der programmatischen Reihe fallende, Buch Barca – Evolution des Fußballs. Nach Wendelin Schmidt-Denglers Hamlet oder Happel ist die literarische Huldigung des FC Barcelona von Klaus Dermutz der bereits zweite Fußballtitel des Verlags. „Fußball und Literatur ergeben eine ganz gute Liaison. Fußball ist ein sehr vielschichtiges Thema, davon kann man sehr viel über eine Gesellschaft erfahren“, erklärt Klever.

Am Ende des Gesprächs kommt die Lieferung von Daniel Wissers Kein Wort für Blau dann übrigens doch noch. Gerade rechtzeitig für die Buchpräsentation und Textperformance des Autors, die am Donnerstag (18. Februar 2016, 20 Uhr) im brut am Karlsplatz stattfinden wird.

get in contact: Klever Verlag, Hochstettergasse 4/1, 1020 Wien – www.klever-verlag.com

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