Kunterbuch

P2230997 FB KopieSeit mehr als elf Jahren versorgen Elisabeth Rippar und Dagmar Harbich mit ihrer Buchhandlung Kunterbuch Wiens Kinder und Jugendliche mit Literatur. Dass es im Jahr 2004 noch keine auf Kinder- und Jugendbücher spezialisierte Buchhandlung in der österreichischen Hauptstadt gab, bezeichnen Rippar und Harbich im Nachhinein als „Armutszeugnis“. So mancher Branchenkollege soll ihrer Buchhandlung damals kein langes Überleben zugetraut haben, immerhin bringen Kinderbücher im Regelfall weniger Umsatz als der neueste Hardcover-Thriller oder großformatige Bildbände, wie sie in herkömmlichen Buchhandlungen zu haben sind. „Dass es nicht funktionieren könnte, auf die Idee wären wir damals aber gar nicht gekommen“, sagt Rippar heute.

Mit Unwägbarkeiten hält man sich am Stubenring 20 traditionell nicht lange auf, denn die beiden Kunterbuch-Besitzerinnen sind an ihrem Standort nicht die ersten Damen, die ihr berufliches Schicksal in die eigene Hand nahmen. „Kurz nachdem wir eröffnet haben, kam eine ältere Frau zu uns in das Geschäft und hat erzählt, dass sie an dem Standort im Jahr 1945 eine Papierhandlung eröffnet hat. Der Deal war damals, dass sie das Geschäft nur dann bekommt, wenn sie den halb in der Auslage stehenden Panzer selbst entsorgt. Gemeinsam mit drei anderen jungen Frauen haben sie den Panzer dann in der Nacht aus der Auslage hinaus auf den Ring geschoben. Und am nächsten Tag war er weg“, erinnert sich Dagmar Harbich an die Anekdote aus der Nachkriegszeit. Mit einem Panzer hatten es die beiden bei der Eröffnung im Jahr 2004 zwar nicht zu tun, aber ein wenig umbauen und adaptieren mussten sie das Geschäftslokal natürlich schon.

Die Innere Stadt als Standort für Wiens erste Kinderbuchhandlung stand nicht von vornherein fest, auch in Mariahilf und Neubau hatten sich die beiden Lokale angeschaut. Das Ladenlokal am Stubenring „hat sich dann so ergeben“, sagt Elisabeth Rippar. Vor ihrer Zusage haben sie damals sogar eine eigenhändige Kundenfrequenzzählung durchgeführt. „Wir haben uns einen Nachmittag in den Gastgarten vom Comida nebenan gesetzt und die vorbeilaufenden Passanten gezählt“, so Rippar.

P2231002 FB-newZu ihrem Erfolgsrezept gehört unter anderem, dass sie siebzig bis achtzig Prozent jener Bücher, die in ihren Regalen auf Kundschaft warten, selbst gelesen haben. „Wenn ein Kunde zu mir kommt und ein Buch für seinen neunjährigen schüchternen Sohn sucht, tue ich mir schwer ihm etwas zu empfehlen, das ich nicht selbst gelesen habe“, sagt Dagmar Harbich. Oft komme es dann vor, dass Kunden später erneut vorbeischauen und sich für die Empfehlung bedanken. Gefragt, ob sie derzeit ein Lieblingsbuch hat, nennt Harbich das Jugendbuch Kalt bläst der Wind der oberösterreichischen Autorin Michaela Holzinger. „Das habe ich an nur einem Tag gelesen. Die Autorin verwendet eine irrsinnig schöne Sprache und das Buch ist sehr spannend geschrieben.“ Für eine jüngere Zielgruppe (Schulalter) ist Nur ein Tag von Martin Baltscheit gedacht, das Elisabeth Rippar empfiehlt. „Obwohl es grundsätzlich um ein trauriges Thema geht, ist das eine sehr philosophische und gleichzeitig süße Geschichte. Und sensationell illustriert!“

Das Sortiment der Buchhandlung Kunterbuch umfasst neben Kinder- und Jugendbüchern auch Hörbücher, DVDs und Brettspiele bzw. Puzzles. Regelmäßig stehen auch Veranstaltungen auf dem Programm. Am 11. März 2016 (16 Uhr, Anmeldung erforderlich) wartet auf alle kleinen LesefreundInnen „Arthur, der Zauberhase“, eine Vorlese- und Mitmachgeschichte als Bilderbuchkino für Kinder ab vier Jahren.

OLYMPUS DIGITAL CAMERANeben großen und kleinen einheimischen Kunden schauen auch immer wieder Touristen in der Buchhandlung vorbei. „Die fragen dann oft nach einem typisch österreichischen Kinderbuch wie Das kleine Ich bin Ich von Mira Lobe oder sie sammeln Die kleine Raupe Nimmersatt in allen Sprachen“, gibt Elisabeth Rippar einen Einblick in die Kundenwünsche. Und auch wenn es mit der sprachlichen Kommunikation dann manchmal hapert, wissen sich die beiden Kunterbuch-Damen zu helfen. „Eines Tages kam eine Südkoreanerin in das Geschäft und hat versucht, mir mit Händen und Füßen zu erklären, was sie gerne hätte. Ich habe ihr dann Stift und Zettel gegeben und sie hat ein kleines Zwergerl aufgezeichnet. So bin ich draufgekommen, dass sie von Lisbeth Zwerger illustrierte Bücher gesucht hat“, erzählt Dagmar Harbich. Kommt man mit den beiden Inhaberinnen der Buchhandlung Kunterbuch ins Gespräch, wird sehr schnell klar, dass hier zwei Damen ihre Bestimmung gefunden haben. „Schon als Kind habe ich neben der Beschäftigung mit Büchern auch immer gerne Kaufmannsladen gespielt“, sagt Harbich, „ich kann mir auch gar nicht vorstellen, mich beruflich zu verändern“.

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Kleine Veränderungen wünschen sich die beiden dagegen, wenn es um die inhaltliche Gestaltung vieler Kinder- und Jugendbücher geht, zum Beispiel was die üblichen Geschlechterrollen betrifft. „Da tut sich leider recht wenig. Das klassische Rollenbild der Mama, die am Herd steht, und des Papas, der nach der Arbeit am Tisch sitzt und Zeitung liest, dominiert nach wie vor“, sagt Harbich. „Oder die Oma, die prinzipiell immer mit Filzschlapfen und grauem Dutt herumschlapft. Dabei sind Großeltern heutzutage so dynamisch“, ergänzt Elisabeth Rippar abschließend.

get in contact: Buchhandlung Kunterbuch, Stubenring 20, 1010 Wien – www.kunterbuch.at – Die Buchhandlung Kunterbuch auf Facebook

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