„Schriftsteller sind ganz andere Typen als Musiker“

Ein Treffen mit Stefan Redelsteiner, bei dem es weniger um Musik, sondern eher um Bücher gehen soll. So lautete am Donnerstag vergangener Woche die Mission. Denn der Manager der Band Wanda führt gemeinsam mit Ilias Dahimène auch einen eigenen Buchverlag, die Redelsteiner Dahimène Edition. Das Büro des Verlags befindet sich im zweiten Bezirk, das Interview mit Redelsteiner findet an diesem grauen Tag im Cuadro am Margaretenplatz statt.

redelsteiner-FBDie Redelsteiner Dahimène Edition gibt es seit 2012. Begonnen hat alles bei einem gemeinsamen Essen mit Ilias Dahimène in der Pizzeria Donna Diana, Redelsteiners damaliger Stammpizzeria im fünfzehnten Bezirk. Beide kannten sich aus dem Musikbusiness. Man traf sich immer wieder mal zum gemeinsamen Gedankenaustausch, ohne dabei jedoch konkret zusammenzuarbeiten. Vor Redelsteiner auf dem Tisch stand eine Pizza Diabolo und auf einmal fragte einer der Beiden: „Hey, hast du schon mal darüber nachgedacht, einen Buchverlag zu gründen?“ Der andere hatte in der Tat auch schon mal mit diesem Gedanken gespielt und so wurde man sich schnell handelseins.

Für Redelsteiner war der Verlag als „Ausgleich zum Musikgeschäft und auch ein bisschen als Experiment“ gedacht. Er wollte nicht ständig das Gleiche machen, musste aber schnell feststellen, dass es sehr viele Parallelen zwischen Buch- und Musikgeschäft gibt. „Das Handwerk ist schon sehr ähnlich. Die Vertriebswege, die ganze Administration drumherum. Nur mit dem Unterschied, dass du im einen Business Platten presst und im anderen Bücher druckst.“ Dank der Ähnlichkeiten taten sich er und sein Kompagnon relativ leicht mit dem Einstieg ins Verlagswesen. „Wir mussten nicht bei null beginnen, das war sicherlich ein kleiner Vorteil“, so Redelsteiner rückblickend.

Unterschiede hat der in Floridsdorf aufgewachsene Verleger jedoch an anderer Stelle festgestellt. „Schriftsteller sind ganz andere Typen als Musiker“, erklärt er. „Viele Leute glauben, dass es im Pop-Bereich viele Diven gibt. Aber im Vergleich zur Musik finde ich die Kommunikation im Buchbereich etwas anstrengender.“ Redelsteiner vermutet den Grund dafür darin, dass „Musiker durch ihre Bühnenauftritte eher ‚zur Geselligkeit gezwungen‘ seien, als Schriftsteller, die sich auch schon mal ein ganzes Jahr in einem Zimmer einsperren können müssen um an ihrem Buch zu arbeiten.

Auf den Abend in der Pizzeria im fünfzehnten Bezirk folgten Anmeldungen und das übliche bürokratische Prozedere, das es nun mal braucht, um einen eigenen Verlag ins Leben zu rufen. „Das hat alles ganz gut funktioniert, noch ohne dass wir überhaupt ein Buch hatten. Es ist immer wieder überraschend, wie einfach manche Dinge sind, wenn man sich zu etwas entschlossen hat“, sagt Redelsteiner im Nachhinein. Dass sein in Verbindung mit dem Erfolg von Wanda bekannter Name dabei behilflich gewesen sei, glaubt er nicht. „Meine Musiksache ist den Literaturleuten am Anfang eigentlich ziemlich egal gewesen. Bei unserem Vertriebspartner hat wohl nicht mal jemand gewusst, was ich sonst so mache.“

Das erste Buch erschien in der Redelsteiner Dahimène Edition Anfang 2013 und war die Neuauflage von Klaus Stimeders und Eva Weissensteiners Oscar Bronner-Biografie. „Der Ilias hat gewusst, dass die beiden das in einer erweiterten Auflage herausbringen wollen und so kam das dann zustande.“ Zuletzt erschien im vergangenen Herbst Fitness von Stefanie Sargnagel, die den Verlag heuer mit einer Lesung auf der Leipziger Buchmesse repräsentieren wird (20. März 2016, 12:30 Uhr, Österreich Kaffeehaus Halle 4). „Wir sind ein sehr kleiner Verlag und haben im vergangenen Jahr nur drei Bücher herausgebracht. Wir wollen aber auch gar kein Bestsellerverlag werden, sondern wollen einfach Bücher herausbringen, die uns selbst gefallen.“

Die Redelsteiner Dahimène Edition haben die beiden als Literatur- und Sachbuchverlag positioniert. „In früheren Interviews haben wir immer gesagt, dass wir alles bis auf Krimis und Kochbücher machen, weil das in der Regel die klassischen Bestseller-Bücher sind. Aber wenn heute ein cooler Krimi oder ein cooles Kochbuch daherkommen würde, würden wir es uns wahrscheinlich trotzdem mal anschauen.“ Für heuer hatten sie ein spannendes Buchprojekt in petto, doch der Autor entschied sich in letzter Sekunde dann doch für einen großen deutschen Verlag. „Dadurch stehen wir für 2016 nun ohne Buch da. Das macht aber eigentlich nichts. Wenn es kein gutes Manuskript gibt, dann bringen wir eben mal ein Jahr kein Buch heraus. Aber vielleicht kommt ja noch was Gutes um die Ecke.“ Sollte nichts Verwertbares um die Ecke kommen, wird Redelsteiner und Dahimène aber wohl auch nicht so schnell fad werden, denn für den Herbst planen sie eine eigene Hörbuchedition.

Selbst liest Redelsteiner übrigens gerne Sachbücher und Biografien. „Die Biografien, die mir am besten gefallen, müssen nicht unbedingt besonders gut geschrieben sein. Es kommt auf den Unterhaltungswert an und ich muss mich an ihnen reiben können.“ Derzeit hat es dem Beatles-Fan Redelsteiner vor allem die John Lennon-Biografie von Albert Goldmann aus den 1980ern angetan. „In Beatles-Kreisen ist es eigentlich fast verrucht, wenn man zugibt Goldmanns Buch zu lesen. Aber es behandelt Lennon sehr kontroversiell und das macht für mich den speziellen Reiz aus.“

get in contact: Redelsteiner Dahimène Edition – www.rdedition.com – Die RD Edition auf Facebook

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