Harald Darer: „Schreiben ist für mich eine Art Ritual“

Den perfekten Text, den gibt es nicht. „Das wäre auch schlecht, denn der Zweifel muss immer da bleiben, um besser zu werden und sich weiter zu entwickeln“, sagt Autor Harald Darer, der jüngst seinen dritten Roman, Schnitzeltragödie, veröffentlicht hat. Der Zweifel also als ständiger Begleiter eines Autors? Für den gebürtigen Steirer ein Thema, mit dem er sich vor allem rund um seinen Debütroman Wer mit Hunden schläft auseinandersetzen musste. „Wenn man noch nie etwas veröffentlicht hat, hat man als Autor überhaupt kein Selbstbewusstsein. Die Stimmung wechselte damals täglich. Einen Tag hat man das Buch für den größten Mist gehalten, am anderen war es wieder halbwegs erträglich“, blickt der 40-Jährige im Gespräch mit Books in Vienna zurück auf seine Anfänge als Autor. Erschwerend sei damals hinzugekommen, dass „man am Anfang seine eigene Sprache noch nicht so gefunden hat“.

DSC_6151 KopieAm Anfang, also im Teenageralter, standen bei Darer Lyrik und Kurzgeschichten. „Ich habe dann begonnen, meine Texte bei Literaturzeitschriften einzuschicken. Mein Freundeskreis war damals nicht sehr literaturaffin, aber als meine Texte dann tatsächlich in den Zeitschriften abgedruckt worden sind, habe ich mir gedacht, dass das Schreiben vielleicht doch Sinn macht“, erzählt Darer. Fortan bestand der Wunsch, „etwas Größeres zu machen“. Er absolvierte die Literaturakademie in Leonding, wo er den Stoff für sein erstes Buch entwickelte, das daraus resultierende Manuskript wurde von einem Verlag angenommen.

Das Klischee eines in seiner eigenen Welt schwebenden Schriftstellers erfüllt Darer bis heute nicht. Der ausgebildete Techniker arbeitet Vollzeit in einem Büro. Das Schreiben der Bücher wird irgendwo zwischen Job und Familie in die Alltagsroutine eingebaut. „Ich schreibe mir zwischendurch immer viel in Notizbüchern auf und nutze auch mal die Mittagspause zum Schreiben. Längere Schreibzeiten sind nur in der Nacht möglich, wenn auch die Kinder schlafen.“ Wer schon den Mix aus Vollzeitjob und Familienvater stressig findet, ist überrascht, wenn Darer sagt, dass ihm die Dreifachbelastung gar nicht mal so belastend vorkommt. „Ich brauche das Schreiben, es ist für mich eine Art Ritual und Gewohnheit. Und nachdem ich immer in diesem Radl aus Job und Familie drinnen war und nie Zeit hatte, mich ein ganzes Jahr nur aufs Schreiben zu konzentrieren, macht mir das eigentlich nichts aus.“

Die Inspiration zum Schreiben kommt bei ihm oft aus dem Alltag, mitunter sind es die kleinen Dinge, die Auslöser für eine Szene oder eine ganze Geschichte sind, „ein Geruch, ein aufgeschnappter Satz oder ein kleiner Augenblick im Leben“. Vor Beginn eines Buchs hat Darer meist nur ein grobes Gerüst oder ein Thema, das ihn interessiert. Protagonisten entwickeln auch bei ihm hin und wieder ein Eigenleben, Charaktere, die „nicht passen“, verschwinden aus dem Buch genauso, wie andere plötzlich irgendwo auftauchen können. Wichtig ist ihm beim Schreiben stets eine gewisse Distanz: „Wenn mich ein Thema gesellschaftlich oder politisch emotional zu sehr betrifft, würde ich nicht darüber schreiben. Es bestünde dann die Gefahr, dass man als Autor mit erhobenem Zeigefinger schreibt und das mag ich umgekehrt als Leser auch nicht.“

Darer, SchnitzelAm schwierigsten fällt es Darer, sich vorab für die Form eines Buches zu entscheiden. Welche Perspektive nimmt der Autor ein? Welche Gattung? Wer ist der Erzähler? „Wenn man das mal hat, dann geht’s dahin“, sagt Darer. Wobei es auch vorkommen kann, dass er in der Mitte des Buches merkt, dass die Perspektive doch nicht passt. Dann heißt es zurück zum Anfang, was die Anzahl der nächtlichen Schreibsessions in lichte Höhen treibt. Wobei „Anfang“ bei Darer relativ ist, denn die Szenen entstehen bei ihm nicht zwingend chronologisch. Bei der Schnitzeltragödie habe er ursprünglich einen Kurzgeschichtenband im Kopf gehabt, erst im Nachhinein sei er draufgekommen, „dass die Geschichten einem grundsätzlichen thematischen roten Faden folgen“.

Als eines seiner großen Vorbilder nennt der Steirer den US-amerikanischen Dichter und Schriftsteller Charles Bukowski. „Den lese ich immer wieder, er wandelt mit seinem tragikkomischen Stil stets auf einem schmalen Grat.“ Einen ebensolchen versucht Darer bei seinem jüngsten Werk Schnitzeltragödie zu beschreiten. Wichtig ist ihm dabei stets, dass ihn das Erzählte auf einer emotionalen Ebene anspricht. „Wenn ich etwas lese, will ich in einer Weise angerührt werden, nur dann finde ich einen Text gut. Zu perfekte Literatur, die zwar handwerklich gut aber ohne Gefühl geschrieben ist, rührt mich in der Regel nicht an, das ist mir zu weit weg.“ Da trifft es sich ganz gut, wenn Harald Darer zu Beginn des Gesprächs erklärt, dass es den perfekten Text für ihn gar nicht geben könne, weil der Zweifel stets sein treuer Begleiter ist.

Wer Harald Darer live bei einer Lesung erleben möchte, hat diesen Freitag (1. April 2016) im Rahmen der Wortspiele im Wiener Porgy & Bess die Gelegenheit dazu. 2013 konnte der Autor hier den Publikumspreis einheimsen. Darer liest ab 21:40 Uhr aus Schnitzeltragödie, insgesamt treten beim Internationalen Festival junger Literatur zwölf Autorinnen und Autoren auf. Am 15. April 2016 liest Harald Darer im Literaturhaus Salzburg, am 22. April ist er mit der Schnitzeltragödie beim Innsbrucker Prosafestival vertreten.

get in contact: www.der-darer.net, Harald Darers Roman Schnitzeltragödie im Picus Verlag, Harald Darer bei Facebook

Fotos: Darer (1), Picus Verlag (1)

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