Handwerkliche Vernetzung: Die Jungen Verlagsmenschen

Wozu es eine Gruppe wie die Jungen Verlagsmenschen denn eigentlich braucht? Das war die Einstiegsfrage, die sich der, natürlich wie immer gewissenhaft vorbereitete, Blogger auf dem Weg zum Interview mit dem Organisationsteam der Wiener JVM-Städtegruppe überlegt hatte. Doch die ungezwungene und nette Gesprächsatmosphäre im Café Sperl in der Gumpendorfer Straße machte es gar nicht erst nötig, einen zuvor überlegten Fragenkatalog inklusive Einstiegsfrage abzuspulen.

 

Geleitet wird die 2009 gegründete Wiener Städtegruppe von drei Damen. Neben Katharina Bacher, die sich beim juristischen Fachverlag LexisNexis um Lektorat und Produktionsmanagement kümmert, sind dies Stefanie Jaksch (zuständig für Lektorat und Produktion bei der Perlen-Reihe) und schließlich Anita Luttenberger, Lektorin im Braumüller Verlag, der vor kurzem seinen 233. Geburtstag gefeiert hat. Damit übertrifft der Verlag das Alter eines typischen Jungen Verlagsmenschen um mindestens 193 Jahre, denn offiziell darf man bis zur Vollendung seines vierzigsten Lebensjahres bei den Jungen Verlagsmenschen dabei sein.

Gegründet wurden die Jungen Verlagsmenschen in Deutschland, dort verfügt der eingetragene Verein über dreizehn Städtegruppen im gesamten Bundesgebiet. Wirft man auf der Website www.jungeverlagsmenschen.de einen Blick auf die Landkarte, bekommt man so auch gleich einen guten Überblick über die regionale Aufteilung der deutschen Buchbranche. Auf der Österreich-Karte findet man lediglich einen Punkt: in Wien.

Zentrale Treffpunkte der Gruppe sind die monatlich stattfindenden Stammtische, die entgegen der eigentlichen Wortbedeutung an wechselnden Orten stattfinden. „Wir treffen uns immer woanders, meistens bei Verlagen“, erklärt Anita das dahinter liegende Konzept. Meistens erzählen die Verleger zu Beginn der Treffen ein bisschen über ihren Verlag und ihr Programm, anschließend gibt’s einen offenen Austausch, der nicht selten in eine gemütlichen Runde im Wirtshaus ums Eck mündet. Hinsichtlich der Auswahl der Treffpunkte versuchen die drei Damen einen Überblick über die Wiener Verlagsszene zu geben. „Natürlich geht das auch ein bisschen nach persönlichem Interesse, aber wir versuchen stets eine gute Mischung zwischen großen und kleinen Verlagen hinzubekommen“, betont Anita. Meistens sind zwischen zehn und zwanzig junge Verlagsmenschen bei den Stammtischen mit von der Partie, wobei die TeilnehmerInnen nicht zwingend auch bei einem Verlag beschäftigt sein müssen. „Es ist immer ein sehr gemischtes Publikum. Komparatistikstudierende, die sich schon mal über ihre Berufswahl Gedanken machen wollen, sind genauso mit dabei, wie Journalisten oder Buchhändler“, erzählt Stefanie, die gemeinsam mit Anita auch die Veranstaltungsreihe Publishers in Pubs organisiert. Zusätzlich zu den Stammtischen werden pro Halbjahr zwei weitere Events organisiert. Von einer Informationsveranstaltung mit einem Rechtsanwalt zum Thema Urheberrecht bis hin zu einem Socialmedia-Vortrag mit einem via Skype zugeschalteten Experten oder einer Exkursion zu einer Druckerei in Kärnten, wird ein buntes Programm angeboten.

Hinter den wechselnden Stammtischen und den übrigen Veranstaltungen steht die Idee, die Branche untereinander besser zu vernetzen und sich besser kennen zu lernen. Dies kann sich in so mancher Situation des Büroalltags als sehr nützlich herausstellen. „In einem kleinen Verlag, in dem es vielleicht nur eine Herstellerin, einen Lektor und eine Person für die Pressebetreuung gibt, ist es zum Beispiel für den Lektor sehr hilfreich, wenn er jemanden in der Branche kennt, den er zwischendurch mal schnell am Telefon um Rat fragen kann“, erzählt Katharina. Dafür schaffen die Stammtische die notwendigen Verbindungen, auf die man dann im Notfall des Arbeitsalltags rasch zurückgreifen kann. „Natürlich erzählt man sich auf Stammtischtreffen aber nicht alles“, sagt Stefanie. Niemand verrate zum Beispiel das nächste Programm seines Verlags oder andere Interna, es gehe vielmehr um „Handwerkliches“ und den persönlichen Austausch. Und mitunter kann so ein Stammtischtreffen auch schon mal kurzerhand zu einer Stellenbörse werden. „Wir hatten mal ein Treffen an einem Dienstag und am Montag drauf hat eine Kollegin bei dem Verlag, bei dem der Stammtisch stattgefunden hatte, als Praktikantin angefangen“, erzählt Katharina.

Kontakte knüpfen und die Verlagsszene besser vernetzen, das alles in gemütlicher Atmosphäre, so lässt sich das Programm der Jungen Verlagsmenschen in Wien also umschreiben. Und natürlich – das ist den drei Damen wichtig – habe man sich nicht bewusst im Sinne von „junge Verlagsmenschen“ gegen die „alten Hasen“ in der heimischen Buchbranche organisiert. „Wir wollen ja alle dasselbe, nämlich dass das Buch unter die Leute kommt und dass die Leute mehr lesen“, sagt Anita abschließend. Und damit wurde dann auch die ursprüngliche Einstiegsfrage zur Zufriedenheit des Bloggers beantwortet.

Der nächste Stammtisch der Jungen Verlagsmenschen Wien findet am 26. April 2016 in den Räumlichkeiten der Literaturzeitschrift wespennest statt. Anmeldungen werden noch bis heute, Donnerstag (21. April), per E-Mail (wien@jungeverlagsmenschen.at) entgegengenommen.

get in contact: Junge Verlagsmenschen Städtegruppe Wien – Website der JVM Wien – Junge Verlagsmenschen auf Facebook (Dachverband)

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