Vom antiken Bücherskorpion zum E-Reader-Cover: ein Besuch bei Buchbinderin Ira Laber

Die Liebe zum Handwerk hat Buchbinderin Ira Laber, deren Vater Gerhard Bildhauer und Kunstmaler ist, schon früh entdeckt. „Ich bin mit den Kunstwerken meines Vaters und seiner Arbeit aufgewachsen. Wenn er größere Objekte zur Restaurierung im Garten stehen hatte, war ich immer mit dabei. Seit damals gab bei mir wahrscheinlich den Wunsch nach handwerklicher Arbeit“, sagt die 36-jährige Liesingerin.

iralaber_personDass es bei ihr dann die Buchbinderei wurde, hat sie einem Zufall zu verdanken. Nach der abgeschlossenen Ausbildung zur Kindergartenpädagogin wollte sie nochmal ganz was Neues machen und entschied sich für eine Lehre als Goldschmiedin. „Ich habe damals aber keine Lehrstelle bekommen und bin dann durch Zufall, über eine Bekannte meiner Mutter, in einer Buchbinderei gelandet.“ Besagter Buchbinder nahm Ira als Lehrling auf und band sie von Beginn an in alle Tätigkeiten ein. „Dadurch habe ich vom Prägen bis zum Einhängen gleich alles gelernt“, sagt Ira heute. Nach der dreijährigen Lehrzeit, in der sie unter anderem ihre erste Tochter bekommen hatte, verblieb sie noch einige Zeit im Betrieb. Während ihrer anschließenden Anstellung bei einer Universitätsbuchbinderei bekam sie ihr zweites Kind, die Karenz nutzte sie zusätzlich für Weiterbildungen. Und als schließlich Tochter Nummer Drei vor der Tür stand, wuchs in Ira der Wunsch nach einer selbstständigen Tätigkeit. „Ich wollte mit meinem Job einfach flexibler sein und so beim Aufwachsen meiner Kinder nichts verpassen.“

Während andere werdende Eltern in einer solchen Situation mitunter eine sichere Anstellung bevorzugen, stürzte sich Ira also ins Abenteuer als selbstständige Buchbinderin. Dank der durch die Werkstatt des Vaters vorhandenen Räumlichkeiten im Elternhaus war die Location für die Buchbinderei schnell gefunden. Zusätzlich konnte Iras Mutter bei der Kinderbetreuung helfen. Trotzdem waren die ersten Jahre „ein ständiger Kampf. Es dauert einfach, bis man bekannt wird und mein Standort hier in Liesing ist ja nicht unbedingt sehr zentral gelegen.“ Doch Ira biss die Zähne zusammen, bot viele Workshops und Kurse an Schulen an und nutzte alle Gelegenheiten, um auf sich und ihr Handwerk aufmerksam zu machen. Seit einem Jahr laufe es nun sehr gut, „vor allem die Mundpropaganda funktioniert mittlerweile“, zieht Ira eine zufriedene Zwischenbilanz.

Die Kundenwünsche fallen dabei ganz unterschiedlich aus. Fotoalben mit Spezialmaßen oder aufwändige Ledereinbände zählen genauso dazu, wie Kinder mit ihren selbstgeschriebenen Geschichten, die sie ihren Eltern schenken wollen. Zusätzlich bietet Ira auch allerlei Accessoires wie Buchringe, Schachteln, Mappen oder Buchketten an. Für die digitale Leserschaft hat Ira Einbände für E-Book-Reader á la Kindle & Co. im Angebot und natürlich gehört auch die Restauration von alten Büchern zu ihren Aufträgen.

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Die unterschiedlichen Tätigkeiten sind es auch, die den Arbeitsalltag für Ira besonders interessant machen. Vor allem die Restaurationen und Reparaturen haben es ihr angetan. „Das Aufmachen dieser alten Bücher ist besonders spannend“, erzählt Ira. „Man stößt oft auf alte Techniken, die heutzutage gar nicht mehr gebräuchlich sind, zum Beispiel Einbände aus Holz.“ Anhand der Papierqualität kann Ira wiederum ganz gut bestimmen, aus welcher Zeit ein Buch stammt. „In der Kriegs- und Nachkriegszeit wurde aufgrund der Mangelwirtschaft sehr holzhaltiges Papier verwendet. Wenn man da nur einen Knick reinmacht, kann man das Papier schon in der Hand haben.“ Freude bereiten ihr Funde in alten Büchern, wie zum Beispiel gepresste Blätter. Eine Reparatur ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Bei dem sehr in Mitleidenschaft gezogenen Buch zerbrach sich Ira schon den Kopf darüber, wie sie den hartnäckigen tierischen Leim lösen könnte, ohne das Buch dabei zu beschädigen. Bei genauerer Betrachtung stieß sie dann jedoch auf einen toten Bücherskorpion, der den Leim feinsäuberlich gelöst und anschließend verspeist hatte. „Der hat mir echt Arbeit erspart“, freut sich Ira noch heute über das unerwartete Helferlein.

Ihr Wissen und ihre Künste gibt Ira gerne in Form von zahlreichen Workshops und Kursen, zum Beispiel an Volkshochschulen, an Interessierte weiter. Auch Kindergeburtstage können bei ihr veranstaltet werden. „Das ist dann immer besonders nett, denn die Kleinen halten gleich im Anschluss ihr kleines Kunstwerk in Händen“, sagt Ira. Auch ihre eigenen Kinder werfen immer mal wieder einen neugierigen Blick in die Buchbinderei. So wie Ira früher, die als kleines Mädchen ihrem Vater bei der Arbeit in der Werkstatt über die Schulter geschaut hat.

Am morgigen Freitag (29. April 2016, 14 Uhr) bietet Ira Laber in ihrer Werkstatt einen Muttertag-Workshop für Kinder an, bei dem gemeinsam eine Buchkette gebastelt wird. Anmeldung: office@buchbinderei-iralaber.at

get in contact: Buchbinderei Ira Laber – Klostermanngasse 2, 1230 Wien – www.buchbinderei-iralaber.atoffice@buchbinderei-iralaber.at

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