Bunbury’s Comics: Erfolgreiches Topfschlagen im Comic-Minenfeld

Wer glaubt, dass der Name von Anna Krupitzas Comicladen in der Lindengasse etwas mit den dort feilgebotenen Heften zu tun hat, der irrt. „Der Name stammt aus Oscar Wildes The Importance of Being Earnest. Bunbury ist darin ein fiktiver Freund, der stets als Ausrede herhalten muss, wenn einer der Protagonisten dringend weg will“, erklärt Anna die Bedeutung. „Als mir das eingefallen ist, bin ich gerade in Irland gewesen, das hat irgendwie gut gepasst. Außerdem ist Bunbury’s Comics für mich nun immer eine gute Ausrede, um das Haus zu verlassen.“

bunburyladenannaIm Frühjahr 2016 öffnete Anna die Pforten ihrer Comicbuchhandlung. Auf diese Bezeichnung legt sie insofern großen wert, als dass sie vom Graphic-Novel-Trend relativ wenig hält. „Natürlich habe ich auch Graphic Novels hier, aber ich mag den Begriff nicht. Das ist für mich nur eine Marketingidee von Buchhändlern, um ihre Ware besser verkaufen zu können. Batman– oder Maus-Comics sind und bleiben für mich Comics“, erklärt Anna. Batman ist auch ein gutes Stichwort, wenn man sich auf die Suche nach dem Ursprung für Annas Comicleidenschaft begibt. „Meine Mutter hat mir oft Batman als Gutenachtgeschichte erzählt“, sagt die heute 26-Jährige, die über eine Buchhandelsausbildung verfügt und zuvor unter anderem beim Morawa in der Wollzeile („zu Halloween habe ich dort im Zombiekostüm die Leute erschreckt, das hat mir richtig Spaß gemacht“) sowie in einer Buchhandlung in Irland gearbeitet hat. Von ihren früheren Jobs rührt auch ihr Anspruch, Comics mit der schönen Atmosphäre einer Buchhandlung zu kombinieren. „Das hat mir in Comicläden in Wien zuvor irgendwie gefehlt“, sagt Anna. „Die angenehme Atmosphäre plus Comics, Poster, Supplies und all die anderen Sachen, die Comic-Nerds wie ich gerne haben.“

Den Begriff Comic-Nerd verwendet Anna dabei ganz selbstverständlich und – selbstredend – nicht abwertend. Ihr Laden und ihre Kundschaft hätten auch relativ wenig mit all den Klischees zu tun, die via The Big Bang Theory über Comic-Fans verbreitet werden. Während die Protagonisten der Serie vor Ehrfurcht erstarren, wenn ein weibliches Wesen nur Stuarts Comicbuchladen betritt, sind in der Realität mehr als die Hälfte von Annas Kunden weiblich. „Es gibt mittlerweile auch viele Comics, die sich speziell an Frauen richten. Die sind auch nicht alle auf rosa gemacht, sondern ernstzunehmende Literatur“, erklärt Anna.

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Neben der angenehmen Atmosphäre, zu der auch der „Süßkram“ gehört, den Anna Besuchern beim Betreten des Ladens entgegenstreckt, will sie aber natürlich auch mit ihrem Sortiment punkten. „Ich wollte nicht blindlings die Regale vollräumen, sondern habe das bestellt, was ich selbst gut finde. Und dazu natürlich ein paar Sachen, die zwar nicht meinem Geschmack entsprechen, von denen ich aber weiß, dass sie eine große Fangemeinde haben.“ Zusätzlich wird das Sortiment quasi mit den Kundenwünschen ausgeweitet. „Ich achte auf die Nachfragen der Kunden und orientiere meine Bestellungen daran. Das ist ein bisschen wie Topfschlagen im Minenfeld, aber es funktioniert ziemlich gut.“ Auf diese Art kamen zum Beispiel Neverboy und Ladykillers als Neuzugänge in die Lindengasse. Am Herzen liegen ihr auch einheimische Autoren, wie Verena Loisel mit ihrem Noodlemonster, die mit ihrer oftmals guten Qualität in großen Sortimenten zwischen Batman und Spiderman nur selten einen Platz finden. Klassiker von DC und Marvel finden sich aber natürlich ebenso wie zum Beispiel japanische Mangas, die Anna über eine asiatische Secondhand-Kette bestellt. „Japaner passen in der Regel sehr gut auf ihre Sachen auf und lesen sehr vorsichtig, stellen sich ausgelesene Hefte oder Bücher dann aber eher nicht ins Regal, sondern verkaufen diese. Somit bekomme ich gute Qualität zu einem guten Preis“, erklärt Anna. Und dadurch bekommt sie auch „abgefreakte“ Sachen wie One Piece auf Japanisch. „Es gibt Leute, die das lieben, obwohl sie kein Wort verstehen.“

Natürlich kann Anna auf der gesamten inhaltlichen Comic-Klaviatur rauf- und runterspielen, zum Beispiel erklären, was es mit Marvel Now und Rebirth auf sich hat, wieso es ganz logisch war, dass Etta Candy, die Freundin von Wonderwoman nach Infinite Crisis erst viel später wieder aufgetaucht ist und was es mit ComiXology auf sich hat. Ihr Lieblingscomic heißt übrigens Batman Arkham Asylum – Ein düsteres Haus in einer finsteren Welt, von dem sie eine limitierte Harcdoverversion ihr Eigen nennt. Diese befindet sich selbstredend wohlbehütet daheim.

Es gäbe an dieser Stelle noch wesentlich mehr über Anna Krupitza und ihren Comicladen zu berichten, doch jede auch noch so ausführliche Beschreibung würde bei einem Comic-Nerd wie Anna unweigerlich zu kurz ausfallen. Deshalb an alle Fans der gutgemeinte Rat, einfach selbst bei Anna vorbeizuschauen. Und auch für jene, die mit Comics nicht so viel anfangen können (und dazu zählt auch der Autor dieser Zeilen), sollten sich Bunbury‘s Comics merken. Und dass nicht nur, weil man dank Bunbury stets eine gute Ausrede hat, warum man ganz ganz dringend weg muss.

Wer für einen Besuch im Bunbury’s Comics eine gute Gelegenheit sucht, dem sei der Batman Tag am 17. September 2016 (ab 10 Uhr) ans Herz gelegt. Geboten werden Cosplayer in Batman-bezogenen Kostümen. Qrinnaph wird auf Wunsch Batman-Zeichnungen anfertigen, Batman-Cookies können verkostet und bei einem Gewinnspiel Batman-Amigurumis gewonnen werden. Und das offizielle Gratis-Batman-Tag-Comicheft von Panini gibt es natürlich auch!

get in contact: Bunbury’s Comics, Lindengasse 34/Top 4, 1070 Wien – www.bunburyscomics.atshop@bunburyscomics.at – Bunbury’s Comics bei Facebook

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