Elias Hirschl: „Eigentlich mag ich ja unseriöse Bücher“

Da sag nochmal jemand, das heimische Bildungssystem würde nicht funktionieren. Denn die Fans von Elias Hirschl haben es unter anderem seinen ehemaligen DeutschlehrerInnen im Gymnasium in der Wiener Rahlgasse zu verdanken, dass der Autor seine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt hat. „Ich habe durchwegs gute Deutschlehrer gehabt. Eine Lehrerin in der Unterstufe hat die Leute einfach frei arbeiten lassen, man musste lediglich einmal die Woche eine vollgeschriebene Seite abgeben. Da hätte man natürlich auch ein Kochrezept erfinden können, aber ich fand das super und habe eine Fortsetzungsgeschichte geschrieben, aus der dann mein erster Roman entstanden ist“, erzählt Elias beim Gespräch mit Books in Vienna im Café Leopold. Nachsatz: Besagter Roman schlummert bis heute unveröffentlicht in einer von Hirschls Schreibtischschubladen.

Mit dem Schreiben hat der heute 22-Jährige schon früher begonnen. Ob das im Alter von sechs oder sieben Jahren geschehen sei, lasse sich „heute nicht mehr so genau eruieren“. Mit fünfzehn folgten die ersten Bühnenauftritte des Autors, der auch durch seine Poetry-Slam-Auftritte Bekanntheit erlangte. Auch sonst wurde das Talent des jungen Schriftstellers erkannt und gefördert, im Umfeld der Familie gab es mit Christoph Ransmayr einen gestandenen Autor, an dessen Werken sich der junge Elias versuchte. „Ich habe im Alter von zehn Jahren einen Roman von ihm lesen wollen. Das war dann aber doch ein bisserl zu hoch für mich“, erzählt Elias, der mittlerweile Ransmayrs Reisebericht Atlas eines ängstlichen Mannes einiges abgewinnen kann.

Ansonsten hält sich Elias‘ privates Leseinteresse für heimische bzw. deutschsprachige Autoren in Grenzen. Eine Ausnahme bildet Walter Moers, „über den ärgere ich mich, weil er schon seit fünf Jahren sagt, dass sein neuer Roman herauskommt. Und dann passiert trotzdem nichts.“ International betrachtet outet sich Elias als Fan von Chuck Palahniuk, „den lese ich ziemlich gerne, auch wenn er nicht unbedingt der beste Schriftsteller ist“. Den US-Amerikaner David Foster Wallace (Infinite Jest) „vergöttert“ er. „Geschichten derart komplex und gut überlegt zu konstruieren, so wie er das geschafft hat, würde ich nie zusammenbringen.“

elias_bookDerzeit arbeitet Elias nach Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss sowie Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet, und alles was sie mir mitgebracht haben, ist dieses lausige T-Shirt (beide erschienen bei Milena) am Zusammenbringen seines dritten Romans. Das neue Werk, das im kommenden Jahr erscheinen soll, erfordere aufgrund der größeren Nähe zur Realität wesentlich mehr Recherche und somit mehr Arbeit. „Es basiert auf sehr realen Erlebnissen aus meiner Zivildienstzeit, es geht viel mehr um Details und wie die Leute zueinander in Verbindung stehen. Weniger um die große weite Welt, sondern eher um die kleineren Handlungen im Leben“, gibt Elias einen ersten Einblick. Aufgrund des realistischeren und ernsteren Settings sieht sich Elias nun auch zum ersten Mal damit konfrontiert, nicht jeden Wortwitz verwenden zu können. „Eigentlich mag ich ja unseriöse Bücher, bei denen sich der Autor nicht zu blöd ist, auch mal über sich selbst zu lachen. Mir fallen beim Schreiben ständig blöde Witze ein, die konnte ich in die bisherigen beiden Bücher sehr schön einbauen. Das geht zur Zeit leider nicht“, sagt Elias. Auf die Frage, wie viel seiner eigenen Biografie im neuen Roman steckt, muss der Autor einen Augenblick nachdenken. „Wohl sehr viel“, lautet schließlich die Antwort, „aufgeteilt auf drei Figuren“. Generell möchte er mit dem neuen Buch zeigen, dass ein vermeintlich normaler Zivildiener auf einer gewissen Ebene dieselben Probleme haben kann wie sein schizophrener Klient. Und er will einen realistischeren Zugang zur Darstellung von psychischen Krankheit ermöglichen. Denn viele Autorinnen und Autoren würden laut Elias aus Gründen der Dramaturgie zu sehr übertreiben und zudem nicht selbst recherchieren, sondern ihr Wissen über psychische Erkrankungen aus anderen Büchern und Filmen übernehmen. „Die lehnen das dann an Hitchcock-Filme an, obwohl sich seit deren Produktion einfach sehr viel getan hat im Bereich der wissenschaftlichen Psychiatrie“, sagt Elias.

Vor die fiktive Entscheidung gestellt, ob er sich lieber nur noch mit Büchern oder mit seiner zweiten Leidenschaft, den Poetry Slams, beschäftigen würde, kommt es wie aus der Pistole geschossen aus seinem Mund: „Bücher“. „Beim Slammen hat man zwar einen wesentlich direkteren Zugang zum Publikum. Dafür gibt es bei Büchern sehr langfristige Ziele, die einem das Gefühl geben, konstant etwas sinnvolles zu tun. Das ist eine sehr schöne Herausforderung.“ Und wer weiß, vielleicht stellt sich Elias eines Tages auch nochmal der Herausforderung, seinen seit Schulzeiten in der Schublade schlummernden ersten Roman zu veröffentlichen. „Ich habe mir mal überlegt, nur so als Gag fünf Exemplare davon drucken zu lassen. Dafür müsste ich aber wohl noch einige Male über den Text gehen.“

Ihr könnt Elias Hirschl im Oktober 2016 bei zwei Veranstaltungen live erleben: Österreich liest (5. Oktober, 19 Uhr, TU Wien & Die BILDER_BÜCHER_BÜHNE (6. Oktober, 20 Uhr, Die Drahtwarenhandlung)

get in contact: Elias Hirschl bei Milena

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