Verlag Text/Rahmen: Schritt für Schritt

Das Gespräch mit Dominik Uhl und Michael Marlovics findet im Café Ritter in der Mariahilfer Straße statt. Beide haben heuer den Verlag Text/Rahmen aus der Taufe gehoben und mit dem Fotoband Sezierte Architektur von Kurt Prinz ein erstes Werk publiziert, das von den Medien sehr breit und wohlwollend aufgenommen wurde. Am Sonntag steht die nächste Buchpräsentation auf dem Programm, Gudrun Smoles Kanzleimord (siehe Veranstaltungshinweis weiter unten). Vorab haben die beiden aber noch Zeit gefunden, um mit Books in Vienna über ihre jungfräuliche Verlagsgründung, das notwendige Machen von Fehlern und den E-Mail-Verkehr mit Literaturagenten in New York zu sprechen.

Am Beginn von Text/Rahmen stand Anfang der 2000er eine Online-Kontaktanzeige, darin suchte Dominik Uhl einen Schlagzeuger für eines seiner Bandprojekte. Keine Woche später hockten er und Marlovics bereits im Proberaum beisammen. Aus der Zusammenarbeit zweier Musiker entstand schließlich eine Freundschaft. Vor gut zwei Jahren verbrachten beide einem Abend im Café Hummel in der Josefstädter Straße und beschlossen, einen Buchverlag zu gründen. „Eigentlich ist das auf Michis Mist gewachsen“, schiebt Uhl die Verantwortung seinem Kompagnon in die Schuhe. „Ich wollte schon immer Bücher machen“, gibt Marlovics freimütig zu. „Das war eine Idee, die ich schon sehr lange in mir trug, die aber alleine kaum umsetzbar war.“ Der Name für den Verlag war rasch gefunden: Text/Rahmen. „Das Wort Text steht dabei für sich, der Rahmen symbolhaft für die Fotobücher“, erklärt Uhl.

Die beiden starteten „komplett jungfräulich“ in ihr Verlagsabenteuer, „wir haben keine Buchhändler oder Verleger in unseren Familien oder im Freundeskreis“, erzählt Marlovics. Am Anfang sei man natürlich in die eine oder andere Gesprächsfalle getappt, „das hat uns aber gar nicht groß gestört. Wir tasteten uns voran, Schritt für Schritt. Jeder Fehler, der uns auf diesem Weg passiert und jede Absage, die wir bekommen, bringt uns mittelfristig weiter“, so Marlovics. So „jungfräulich“ die beiden damals begannen, so professionell gingen sie ihr Vorhaben in der Folge an. Zu Beginn musste natürlich die Frage geklärt werden, welche Werke verlegt werden sollen. „Wir wollten Bücher machen, die wir selbst gerne lesen wollten, verbunden mit einem hohen Qualitätsanspruch an das Produkt selbst“, so Marlovics. Es folgte eine lange Phase der Vorbereitung, inklusive Erstellung einer eigenen Verlagstypographie sowie eines möglichst einheitlichen optischen Erscheinungsbildes. „Wir haben uns sehr lange mit der Optik beschäftigt und diese sehr reduziert angelegt, damit sie nicht zu sehr vom eigentlichen Produkt, dem Inhalt der Bücher, ablenkt“, erklärt Uhl.

kanzleimordDie anfallenden Verlagstätigkeiten teilen sich beide gleichermaßen auf. Was die Auswahl der Autoren betrifft, gilt auch bei ihnen die goldene Regel, dass ein Buch dann nicht umgesetzt wird, wenn einer von beiden komplett dagegen ist. Unterstützung erhalten sie unter anderem im Socialmedia-Bereich von der Dritten im Bunde, Lisa Blazek. Dass ihr erstes Textbuch mit Gudrun Smoles Kanzleimord nun ein historischer Kriminalroman geworden ist, bezeichnet Uhl als reinen Zufall, „es hätte auch eine Schmachtgeschichte oder Jugendliteratur mit Musikhintergrund sein können.“ Für das Frühjahr stehen ein historischer Roman sowie zwei Kurzgeschichtenbände auf dem Programm. Mittelfristig nennen beide kontinuierliches Wachstum als Ziel, „die Relevanz des Verlags wächst mit den Veröffentlichungen und deren Qualität“, bringt es Marlovics auf den Punkt. Natürlich ist beiden bewusst, dass es in der Buchbranche einen sehr langen Atem braucht. „Wenn sich der Verlag in fünf Jahren selbst trägt und im Idealfall noch ein bisschen Geld abwirft, wäre ich schon sehr zufrieden“, betont Uhl. „Wenn wir uns dann auch noch in die Augen schauen und sagen können, dass wir immer noch Spaß an der Sache haben, wäre das sehr fein“, ergänzt Marlovics.

Spaß haben die beiden sichtlich auch jetzt schon an ihrem Verlag, selbst wenn sie sich mal eine Abfuhr einholen. „Wir haben bei einem etablierten US-amerikanischen Autor angefragt, ob wir seine letzten Bücher auf Deutsch herausbringen können. Er klang nicht uninteressiert, hat mich aber an seine Agentin in New York verwiesen“, erzählt Uhl. „Also haben wir ein professionelles Angebot nach New York schickt. Die Dame hat uns dann sehr freundlich, aber auch ziemlich taff, gefragt, was wir denn schon alles veröffentlicht haben. Damit hatte sich die Sache für uns schon wieder erledigt.“ Für Marlovics kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „In diesem mitunter ziemlich verbissenen Buchbetrieb fehlt es manchmal an Idealismus. Ich würde mir wünschen, dass wir uns den auch in der Zukunft beibehalten.“ Literaturagenten in New York dürfen sich also auf weitere Anfragen aus Wien-Ottakring freuen.

Am Sonntag, dem 11. Dezember 2016, präsentiert Text/Rahmen den historischen Kriminalroman Kanzleimord von Gudrun Smole (Tachles, Karmeliterplatz 1, 18 Uhr). Zudem sind Uhl, Marlovics und Blazek an diesem Wochenende mit einem eigenen Stand im BuchQuartier im Wiener Museumsquartier vertreten. Auch dort wird Gudrun Smole aus Kanzleimord lesen (Samstag, 10. Dezember, 10 Uhr).

get in contact: Verlag Text/Rahmen – www.textrahmen.at – Text/Rahmen auf Facebook, Text/Rahmen auf Instagram

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