Edition Atelier: GREAT GREAT GREAT!!!

Wenn sich Sarah Legler, Jorghi Poll und Sebastian Reiner von der Edition Atelier das ganze Jahr über in ihrem Verlagsbüro in der Schwarzspanierstraße einschließen und die Fenster verbarrikadieren würden, würden sie trotzdem ziemlich genau wissen, wann im Sommer die Hitzeperioden über die Stadt hereinbrechen. Nämlich dann, wenn die Verkaufszahlen für Die große Hitze von Jörg Mauthe in die Höhe schnellen. „Das verkauft sich im Sommer irrsinnig gut“, sagt Sarah, während sich die Umsätze in Jahreszeiten mit moderaten Temperaturen eher unauffällig verhalten. Grund genug also, dass der Roman des 1986 verstorbenen Gründers der Edition Atelier rechtzeitig zum Sommer 2017 in einer neuen, mittlerweile fünften, Auflage erscheint.

Rund ein Jahr ist es her, dass mit Edition Atelier das erste Porträt eines Wiener Verlags auf Books in Vienna veröffentlicht wurde. Zeit also für einen neuen Interviewtermin, um zu schauen, was sich in den vergangenen Monaten so getan hat.

Vor allem mit der zwischenzeitlichen Resonanz im deutschen Markt ist man sehr zufrieden. „Wir sind als kleiner Verlag mit österreichischer Literatur sehr froh, dass wir mittlerweile fast ganz Deutschland mit Vertretern abdecken und merken das auch anhand der Umsätze“, erzählt Sarah. Österreich werde natürlich auch weiterhin das Schwerpunktland bleiben, zumal Bücher wie Die Strategie des Tarockspiels aufgrund ihres starken Österreich-Bezugs bei den nördlichen Nachbarn ohnehin keine Straßenfeger sind. Aber dass die Edition Atelier in Deutschland verstärkt wahrgenommen wird, lässt sich auch daran festmachen, dass Random House im Vorjahr die Taschenbuchlizenz für Das Buch der Schurken erworben hat. „Es ist natürlich schön zu sehen, dass man sich offensichtlich in Deutschland über uns informiert“, freut sich Jorghi. Geht es in dieser Art auch im Jahr 2017 weiter, wäre man bei der Edition Atelier schon sehr zufrieden. „Wir wissen, dass wir als kleiner Verlag keine Riesensprünge machen werden. Wir wollen nachhaltig wachsen und wenn unsere Bücher immer ein bisschen öfter gelesen werden und der Verlag stetig ein bisschen bekannter wird, dann können wir schon zufrieden sein“, so Jorghi.

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Behilflich können dabei heutzutage Soziale Medien á la Facebook und Instagram sein. „Es ist natürlich cool, wenn Beiträge von uns oder Rezensionen über unsere Bücher auf Facebook geteilt werden“, erklärt Sebastian. „Ich habe aber manchmal eher das Gefühl, dass Facebook ein Spiegelbild der allgemeinen Stimmung ist. Kommt eines unserer Bücher allgemein gut an, kommt es natürlich auch auf Facebook gut an. Ob Facebook tatsächlich den Verkauf verstärkt, lässt sich nicht wirklich sagen“, so Sebastian. „Für uns sind diese Kanäle vor allem praktisch, um auf unsere Bücher, Autoren oder Veranstaltungen aufmerksam zu machen“, ergänzt Sarah. „Auf Instagram lassen sich Bücher bildlich sehr schön in Szene setzen, mit Twitter können wir dagegen weniger anfangen.“ Wobei Kommunikation via Kurznachrichtendienst ja ganz in den aktuellen Zeitgeist passen würde, wie Jorghi mit Blick auf den US-Präsidenten Donald Trump feststellt. „Einen Tweet á la ‚Marylin von Arthur Rundt erschienen – GREAT GREAT GREAT!!!‘ wird es aber trotzdem so schnell nicht von uns zu lesen geben“, schränkt er gleich wieder ein.

Apropos Donald Trump: Auch an einem Verlag geht die politische Großwetterlage natürlich nicht spurlos vorbei. „Wir verstehen uns als kleiner Literaturverlag schon auch ein bisschen mit einem Bildungsauftrag. Und wir finden es sehr wichtig, dass wir Bücher mit politischer Haltung im Programm haben und dass wir Autorinnen und Autoren haben, die solche Bücher auch schreiben können“, betont Jorghi. Dementsprechend finden sich im aktuellen Frühjahrs- sowie im vergangenen Herbstprogramm eine Reihe von Veröffentlichungen, die zu politischen und gesellschaftlichen Themen Denkanstöße geben. Da wäre zum Beispiel der Roman Reibungsverluste, in dem Autorin Mascha Dabić eine Dolmetscherin aus ihrem Alltag mit Flüchtlingen erzählen lässt. Oder das Gesellschaftsdrama Marylin von Arthur Rundt über das New York der 1920er-Jahre – einem New York, das nicht nur im Zeichen der Goldenen Zwanziger steht, sondern auch von Alltagsrassismus gekennzeichnet ist. Der Roman ist überhaupt ein gutes Beispiel dafür, mit welch feiner Nase die Edition Atelier mitunter Bücher für ihr Programm aufspürt. Denn Marylin erschien erstmals 1928 als Fortsetzungsroman in der Neuen Freien Presse. Im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Klagenfurt wurden die Texte wiederentdeckt und nun erscheinen sie erstmals als Buch.

Mit ihrem Fokus auf kritische Literatur wäre es unter einer rechten Regierung in Österreich natürlich ungleich schwieriger, finanziell über die Runden zu kommen, dessen ist man sich bei der Edition Atelier bewusst. „Da wird dann schnell alles abgedreht, was mit kritischen kulturellen Institutionen zu tun hat.“ Sollte es tatsächlich eines Tages soweit kommen, könnte die Option, sich im Verlag zu verbarrikadieren, also tatsächlich aktuell werden. Dank Verlagsgründer Jörg Mauthe und Die große Hitze wäre das Verlagsteam dann immerhin trotzdem auf dem Laufenden, was das Wetter und den Verlauf der Jahreszeiten betrifft.

Im Rahmen des Indiebookdays 2017 liest Edition Atelier-Autorin Ulrike Schmitzer am Samstag (18. März) um 14 Uhr in Lhotzkys Literaturbuffet. Am 31. März 2017 (19 Uhr) stellt Eva Schörkhuber in der Buchhandlung im Stuwerviertel ihren neuen Roman Nachricht an den Großen Bären vor.

Aus Anlass des Indiebookdays verlost Books in Vienna ein Edition Atelier-Buchpaket. Darin enthalten: Die große Hitze von Jörg Mauthe, Marylin von Arthur Rundt, Der Schmetterlingstrieb von Hanno Millesi und In die Transitzone von Elena Messner. Das Paket wird unter all jenen UserInnen verlost, die die Books in ViennaFacebookseite sowie das dort befindliche Edition Atelier-Posting vom 17. März 2017 geliked haben. Teilnahmeschluss ist der 24. März 2017, 23:59 Uhr.

get in contact: Edition Atelier, Schwarzspanierstraße 12/2, 1090 Wien – www.editionatelier.atEdition Atelier auf Facebook, Instagram und Twitter

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