Akademie der bildenden Künste: Bibliothek mit Wow-Effekt

„Die Bibliothek wird einer der größten Brocken beim Umzug werden“, sagt Paul Caseau im Gespräch mit Books in Vienna. Und wenn man einen Blick auf die Räumlichkeiten und Bestände der Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz wirft, muss man Caseau, der u.a. für Bestandsaufbau, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen zuständig ist, auf jeden Fall beipflichten. Stolze 250.000 Werke, darunter 10.000 historische Titel, nennt die Bibliothek ihr Eigen. Das will erstmal alles systematisch eingepackt und anschließend im Ersatzquartier wieder aufgestellt werden.

Aufgrund der auf drei Jahre veranschlagten Generalsanierung des von Theophil Hansen geplanten und 1877 eröffneten Gebäudes, werden sich Institute, Sammlungen und Dienstleistungseinrichtungen der Akademie vom Schillerplatz ab dem Sommer 2017 auf die ganze Stadt verteilen. Die Bibliothek wird ihre Zelte in der Augasse im Alsergrund aufschlagen und dort am 1. Oktober 2017 ihr temporäres Quartier eröffnen. Auch wenn die ersten historischen Bestände – unter tatkräftiger Mithilfe von Studierenden des Instituts für Konservierung und Restaurierung – bereits im Juni in die Augasse übersiedeln werden, bleibt die Bibliothek für Benutzerinnen und Benutzer bis Ende des laufenden Sommersemesters geöffnet.

bildende_kuenste_01
Der Lesesaal der Bibliothek wird regelmäßig für Veranstaltungen genutzt. Foto: Joanna Pianka

Wer die altehrwürdigen Bibliotheksräumlichkeiten mit dem alten Lesesaal vor dem Umzug nochmal in Augenschein nehmen will, dem sei eine der zahlreichen Veranstaltungen empfohlen. So liest am Dienstag (4. April 2017, 19 Uhr) zum Beispiel Puneh Ansari aus hoffnun‘, am Donnerstag (6. April, 19 Uhr) präsentiert Johanna Balet Lettmayer im Rahmen der Veranstaltungsreihe Donnerstags in der Bibliothek ihr Werk Capital L. L for Love. „Die Donnerstagsreihe beinhaltet Artist Talks, Ausstellungen, Rauminstallationen, Lectures und Screenings. Die Abende werden vorrangig von Akademieangehörigen und zu einem Teil von externen bildenden Künstlerinnen und Künstlern gestaltet“, erzählt Paul Caseau. Die Dienstagsveranstaltungen mit ihren Lesungen, Kleinkunstabenden und Musikveranstaltungen hingegen richten sich an junge Autoren sowie (Kunst-)Wissenschaftler. Im Rahmen des Schulungsprogramms wissen/s/wert bietet die Universitätsbibliothek darüber hinaus Interessierten Workshops auf Deutsch und Englisch zur Benutzung der Bibliothek sowie Einführungen in die Kunst der wissenschaftlichen Recherche an. Teil dieses Programms ist auch die einmal im Semester stattfindende Veranstaltung Nachts in der Bibliothek, in deren Rahmen die Bibliothek eine ganze Nacht lang Studierenden, die gerade an einer wissenschaftlichen Arbeit schreiben, zur Verfügung steht.

bildende_kuenste_02„Die Universitätsbibliothek bildet eine Brücke zwischen Akademie und Öffentlichkeit“, heißt es auf der Website der Bibliothek, die zahlreichen Veranstaltungen sind Ausdruck dieses Selbstverständnisses. „Wir haben mit unserem Lesesaal einen sehr herzeigbaren Raum, den man toll bespielen kann“, so Paul Caseau. „Dementsprechend ist es unser Anspruch, diesen zu öffnen und dadurch gleichzeitig jungen Künstlerinnen und Künstlern unseres Hauses die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten zu präsentieren.“ Dabei werden die ausgestellten Werke mitunter auch in die vorhandene Struktur der Bücherregale inkludiert, „das ergibt oft einen schönen Kontrast“, betont Caseau. Durch die Veranstaltungen vergrößert die Bibliothek ihren Wirkungskreis. Besucher, die den Lesesaal und die Bibliothek einmal im Rahmen einer Lesung oder Ausstellungseröffnung gesehen haben, kommen später oft wieder, um sich Bücher auszuborgen oder in Ruhe zu lernen.

SONY DSC

Im Jahr 1773 wurde die Bibliothek zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Was nach dem Jahr 1920 angekauft wurde, ist mittlerweile über den Onlinekatalog abrufbar, frühere Werke müssen nach wie vor via Zettelkatalog recherchiert werden. Gesammelt werden alle Bücher, die zum Lehrprogramm der Akademie passen, von Kunst und Kunstgeschichte über Architektur bis hin zu Gender Studies oder Ausstellungskatalogen. Darüber hinaus gibt es Sondersammlungen wie zum Beispiel zum Thema Comic und Graphic Novel. Auch hier gelingt es der Bibliothek, die eigenen Studierenden bestmöglich einzubinden: Mit Roy F. Culbertson III. konstruierte ein Studierender des Hauses die für die Sondersammlung benötigten Bücherregale. Anlässlich der Eröffnung präsentierte Adnan Balet Balcinovic, Absolvent der Akademie, eine Auswahl seiner Comic-Arbeiten sowie einen Querschnitt durch Comic-Filme seit den 1920ern.

SONY DSC

Auch nach dem Umbau wird der Lesesaal natürlich in seinem altehrwürdigen, von dunklem Holz geprägten, Erscheinungsbild zur Verfügung stehen, dafür sorgen allein schon strenge Vorgaben des Denkmalschutzes. Und so wird es auch nach der Wiedereröffnung im Jahr 2020 vielen Studierenden so ergehen, wie einst Paul Caseau: „Als ich in meiner Zeit als Student zum ersten Mal hierher gekommen bin, war das schon ein ziemlicher Wow-Effekt.“

get in contact: Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz 3, 1010 Wien – Website der Universitätsbibliothek – Die Universitätsbibliothek auf Facebook

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s