Buchhandlung Ober St. Veit: Der zweitschönste Job der Welt

Wer in Ober St. Veit im Westen von Wien auf der Suche nach einem Buch ist oder eine spannende Lesung besuchen will, der ist bei Elisabeth Glaeser und ihrem Team in besten Händen. Wer in dem Grätzel am Ende der Hietzinger Hauptstraße einen Brief aufgeben oder Briefmarken kaufen will, der landet mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls bei Elisabeth Glaeser. Und wer ein kleines Geschenk benötigt … die/der ist bei Elisabeth Glaeser ebenso gut aufgehoben.

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„Wir sind hier ein klassischer Nahversorger“, erzählt Elisabeth Glaeser von der Buchhandlung Ober St. Veit im Gespräch mit Books in Vienna. Ein Nahversorger, der als erste Wiener Buchhandlung seit vergangenem Jahr auch als Postpartner fungiert. „Die Funktion als Postpartner hat früher der Zielpunkt gemacht. Nach dem Konkurs der Lebensmittelkette haben wir das übernommen, weil gerade für ältere Menschen die Entfernung zur nächsten Postfiliale schon recht weit ist“, erzählt Glaeser. Damit Buchhandlung und Postschalter Platz haben, zog Glaeser mit ihrem Team im vergangenen Jahr in ein größeres Geschäftslokal in der Ober St. Veiterer Einkaufspassage. Die Kooperation mit der Post gestalte sich mitunter als herausfordernd, verwundert ist Glaeser zum Beispiel immer wieder über den Umstand, dass einige Kunden am Buchschalter wahnsinnig freundlich sind, sich am Postschalter aber total anders verhalten. „Dabei sind wir hier ein Team, die Mädels am Postschalter sind ja auch bei mir angestellt.“

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Das Geschäft mit den Büchern hat Glaeser von der Pike auf gelernt. Nach Abschluss ihrer Buchhandelslehre bei Shakespeare & Company in der Inneren Stadt ergab sich quasi über die Nacht die Gelegenheit, die Buchhandlung in der Hietzinger Hauptstraße zu übernehmen. „Ich bin hier in dem Grätzel aufgewachsen und habe damals mitbekommen, dass die Vorbesitzerin das Geschäft kurzfristig abgeben will. Ich hatte eine Woche Zeit, es mir zu überlegen“, blickt Glaeser zurück. Da sie schon damals ihre Liebe für den inhabergeführten Buchhandel entdeckt hatte, griff sie zu. „Es war schon sehr stressig und das ist es als Mutter von zwei Kindern auch heute noch, aber es hat funktioniert und ich bereue es nicht“, so Glaeser.

Das in der Buchhandlung angebotene Sortiment entspricht dem eines klassischen Buch-Nahversorgers. Von Belletristik über Kinderbücher („meine Kinder sind die perfekten Testleser“) bis hin zu Krimis und einer Mini-Fantasy-Ecke wird alles geboten. Zusätzlich sind Glaeser und ihr vierköpfiges Team sehr umtriebig, wenn es darum geht, Veranstaltungen und Lesungen zu organisieren. Einmal im Monat findet beim Heurigen Thurn ein Lesekreis statt, bei dem ein aktuelles Buch besprochen wird. Und natürlich werden in regelmäßigen Abständen Autorinnen und Autoren zu Lesungen eingeladen. Jeden November veranstaltet die Buchhandlung gemeinsam mit dem Hietzinger Kulturverein und anderen Sponsoren die Große Hietzinger Lesenacht. Im Vorjahr lasen in diesem Rahmen bei freiem Eintritt Thomas Raab, Bernhard Aichner und Thomas Glavinic im überfüllten Saal des Don Bosco Hauses. Vergessen wird auch nicht darauf, Nachwuchsautoren oder Lokalmatadoren wie Josef Holzapfel mit seinen Büchern über das historische Hietzing eine Plattform zu bieten.

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Ein besonderes Anliegen ist Glaeser auch die Zusammenarbeit mit Schulen, nicht nur aus ihrer engeren Hietzinger Umgebung. „Wir sind hier in Hietzing sehr privilegiert, die Schulen sorgen mit den Elternvereinen dafür, dass den Kids dauernd etwas geboten wird. In anderen Bezirken ist das nicht so, weswegen wir es einer Schule im zehnten Bezirk regelmäßig ermöglichen, eine Autorin oder einen Autor kennenzulernen. Cornelia Travnicek war zum Beispiel schon zweimal dort mit ihrem Roman Chucks und das ist immer total gut angekommen“, erzählt Glaeser. Das positive Feedback und das Interesse der Schülerinnen und Schüler beweisen Glaeser, dass sich Jugendliche auch heute noch gerne mit Literatur beschäftigen, wenn sie denn die Möglichkeit dazu erhalten.

Die Arbeit mit Büchern weiß Elisabeth Glaeser auch nach sieben Jahren noch sehr zu schätzen. „Ich mag Bücher einfach und Buchhändlerin zu sein, ist der zweitschönste Job der Welt. Gleich nach Hebammen“, sagt Glaeser. Dies werde auch nicht dadurch getrübt, dass das wirtschaftliche Überleben in der Branche nicht gerade einfach ist und die scheinbar übermächtige Konkurrenz á la Amazon das Buchhändlerleben nicht gerade einfacher macht. „Aber Bücher sind halt einfach Bücher. Mit denen muss man leben wollen und ich habe schon vor sehr langer Zeit für mich entschieden, dass ich das möchte“, sagt Glaeser. Auch wenn das Dasein als Buchhändlerin doch noch einen ziemlich großen Nachteil mit sich zu bringen scheint, wie Elisabeth Glaeser ganz zum Schluss des Gesprächs mit einem Augenzwinkern verrät: „Ich habe schon seit Jahren selbst kein Buch mehr geschenkt bekommen, das macht mich tatsächlich etwas traurig.“

Der nächste Lesekreis findet am 4. Mai 2017 (18:45 Uhr) im Heurigenrestaurant Thurn statt. Thema: Meine Geniale Freundin von Eleana Ferrante.

get in contact: Buchhandlung Ober St. Veit – Hietzinger Hauptstraße 147 (Ober St. Veiterer Einkaufspassage), 1130 Wien – www.buecher-geschenkeladen.at – office@buecher-geschenkeladen.at – die Buchhandlung Ober St. Veit auf Facebook

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