Krimisalon: Wo man den Brenner lesen und schmecken kann

Es war am Ende des 19. Jahrhunderts, als die Schiftstellerin und Journalistin Berta Zuckerkandl ihren literarischen Salon in Wien etablierte. Schnell erfreute sich diese Institution wachsender Beliebtheit unter Künstlern und Intellektuellen der Hauptstadt des Habsburger-Reichs. Ab 1917 empfing Zuckerkandl ihre Gesellschaften im Palais Lieben-Auspitz, wo im Erdgeschoss mit dem Café Landtmann schon damals eine andere Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens gepflegt wurde.

Die Salons haben als Ort des Austausches und der Diskussion also eine lange Tradition in Wien. Warum also diese Tradition nicht mit der persönlichen Vorliebe für Kriminalliteratur kombinieren, dachte sich eines Tages Elisabeth Schippel. Und so führt uns der heutige Blogbeitrag in die Magdalenenstraße im sechsten Wiener Gemeindebezirk, wo seit Ende 2016 der Krimisalon residiert. „Der Krimisalon soll Treffpunkt für Krimifreunde und gleichzeitig Ort des Austausches für die Bewohnerinnen und Bewohner des Grätzels sein“, erklärt Schippel im Gespräch mit Books in Vienna. Und nachdem auch regelmäßig Lesungen im Krimisalon stattfinden, soll die Salonebene auch die Autorinnen und Autoren inkludieren, die hier mit Lesern zusammengebracht werden sollen.

krimisalon_02Das Soft Opening des Salons erfolgte in der Vorweihnachtszeit des vergangenen Jahres. „Ich habe das damals noch nicht an die große Glocke gehängt und bin es erstmal langsam angegangen“, blickt Schippel zurück. Schon damals fiel die Resonanz sehr positiv aus, zahlreiche neugierige Blicke wurden durch das Schaufenster und durch die Tür hinein in das Geschäftslokal geworfen. Durch die nun im Sommer vor dem Krimisalon stehenden Pflanzen und Sitzgelegenheiten fällt mittlerweile auch eilig vorbeihetzender Laufkundschaft auf, dass sich hier etwas tut. Und viele zeigen sich erfreut, dass sie nun nicht mehr zu einem weit entfernten Großfilialisten fahren müssen, um Bücher zu kaufen oder zu bestellen, denn natürlich kann man im Krimisalon das gesamte Buchsortiment bestellen. Eine kleine, aber feine Auswahl an Kinder- und Jugendliteratur hat Schippel als Nahversorgerin ohnehin auch stets auf Lager.

Die inhaltliche Fokussierung des Salons auf spannende Unterhaltungsliteratur liegt zu einem großen Teil in der persönlichen Krimileidenschaft von Elisabeth Schippel begründet. Früher haben es ihr vor allem die skandinavischen Autoren angetan, „die sind meist sehr gut geschrieben, aber oft dermaßen düster, weswegen ich irgendwann von ihnen gelassen habe.“ Derzeit steht österreichische Krimiware bei ihr persönlich hoch im Kurs, wenngleich sie aufgrund der Geschäftseröffnung in letzter Zeit nicht gerade häufig zu ausgedehntem Lesegenuss kommt. Und weil sich bereits einige Autorinnen und Autoren der heimischen Krimiszene mit einer Lesung bei ihr eingestellt haben, mag sie auch nicht zuviel über potenzielle LieblingsautorInnen verraten. Wolfgang Jezek hat jedenfalls schon im Krimisalon gelesen, genauso wie die Wiener Krimi-Grande-Dame Edith Kneifl oder Doris Gercke, die mit ihren Bella-Block-Krimis zu breiter Bekanntheit im deutschen Sprachraum gekommen ist.

krimisalon_04Wer sich so intensiv mit Kriminalromanen beschäftigt, muss natürlich auch eine Meinung darüber haben, was einen guten Krimi ausmacht. Natürlich braucht es eine spannende Handlung, einen guten Schreibstil und passende Hauptprotagonisten. Ganz besonders großen Wert legt die Buchhändlerin auf die fundierte Recherche der Autorinnen und Autoren. Dies betrifft sowohl die inhaltlichen Themen der Krimis (als Positiv-Beispiel nennt Schippel in diesem Zusammenhang Eva Rossmann) als auch die geographischen Begebenheiten. „Bei Edith Kneifl hat man mitunter das Gefühl, dass man während des Lesens gemeinsam mit ihr durch die Gassen geht. Das ist nett“, erzählt Schippel. So wie sie die lokalen Bezüge in heimischen Krimis zu schätzen weiß, verhält es sich bei ihr auch mit der Urlaubsliteratur. Stehen Ferien vor der Tür, wird bevorzugt ein Krimi gelesen, dessen Handlung in der Urlaubsdestination spielt. „Das ist dann wie bei den Triest-Krimis von Veit Heinichen wie ein kleiner Reiseführer“.

krimisalon_01Eine Reise der etwas anderen Art, nämlich kulinarischer Natur, kann man ebenfalls in Schippels Salon unternehmen. Und an dieser Stelle muss man natürlich auf den Untertitel des Krimisalons, Spannung und Würze, zu sprechen kommen. Denn neben spannender Literatur führt Schippel auch würzige kulinarische Produkte, wie zum Beispiel verschiedene Chilisorten oder Grillsaucen von Herr Brenner. Wer sich jetzt fragt, ob die Mischung aus Krimis und Delikatessen in einem Salon Sinn ergeben, dem sei ein Blick in ein Buch von Wolf Haas empfohlen 🙂

get in contact: Krimisalon – Magdalenenstraße 21, 1060 Wien – www.krimisalon.eu – info@krimisalon.eu

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