Jasmin Parapatits: Abseits der ausgetrampelten Kulinarikpfade

Es gibt so einige Geschichten, die Jasmin Parapatits von ihren Reisen in aller Herren Länder erzählen könnte. Zum Beispiel jene aus Mittelamerika, als sie im Hochland von Guatemala von ihrer Gastfamilie zu einem Festessen eingeladen wurde. „Das war eine sehr arme Familie, Wasser gab es nur in einem Brunnen und ein paar Hendln waren ihr ganzer Stolz. Ich habe also gedacht, dass sie für dieses Festmahl eines der Hühner schlachten werden“, erinnert sich Jasmin zurück. „Doch weit gefehlt, für das Festessen wurde ein Suppenwürfel von Maggi genommen, das war für die Familie etwas viel Wertvolleres.“ Für die gebürtige Wienerin ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Umgang mit Lebensmitteln in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Und auch darum geht es bei ihren Reisen: Auch mal abseits der ausgetrampelten Pfade gehen, den Menschen zuhören und sich auf sie einlassen.

Ihre Erlebnisse hat sie im Jahr 2016 gemeinsam mit Rezepten aus den bereisten Ländern im Kochbuch Fernweh – Heimweh – Sehnsuchtsküche festgehalten. Denn neben dem Reisen ist das Kochen die zweite große Leidenschaft der Wienerin. „Deshalb versuche ich jedes Jahr zumindest einen Monat auszubrechen und in der Welt herumzureisen“, sagt Jasmin. Ihre Aufenthalte organisiert sie am liebsten in Form von so genannten Homestays, in deren Rahmen sie bei Einheimischen lebt und zum Beispiel mit ihnen kocht. Dort wird dann auch gegessen, was auf den Teller kommt, nur selten lehnt Jasmin dankend ab. „Ich bin so einiges gewohnt, habe auch in China fast alles erprobt“, sagt die Autorin. Um halbausgebrütete Eier, eine Delikatesse in der Volksrepublik, hat sie dann aber doch lieber einen großen Bogen gemacht. Gleiches gilt für Innereien, „die ich generell nicht esse, wenn ich nicht weiß, woher sie kommen und wie sie zubereitet wurden.“ Die über die Jahre auf diese Art gesammelten Rezepte hat sie gemeinsam mit Geschichten wie jener aus Guatemala für ihr Kochbuch niedergeschrieben und damit ihrem Fernweh eine Heimat gegeben. „Das im Titel ebenfalls genannte Heimweh habe ich mir quasi von Freunden und Bekannten ausgeborgt, die nicht mehr in ihrem Geburtsland leben“, erzählt Jasmin. So fand zum Beispiel das Rezept eines indischen Freundes, mit dem die Autorin in Wien gemeinsam die Schulbank gedrückt hat, ebenfalls Berücksichtigung im Buch.

Ihre ersten kulinarischen Sporen hat sich Jasmin Parapatits bei ihrer Großmutter verdient. „Meine Oma konnte ausgezeichnet kochen, das war eine klassische Häferlkuchl. Ich habe das Kochen von klein auf bei ihr mitbekommen, zuweilen unter strenger Hand. Da mussten die Fisolen in exakt ein Zentimeter breite Stücke geschnitten werden, sonst hat sie sie mir weggenommen“, erinnert sich Jasmin im Gespräch mit Books in Vienna. Ihr Lieblingsgericht in Omas Kuchl war der Grenadiermarsch. „Das ist ja eigentlich ein Restlessen, aber für mich hat sie ihn abstruserweise immer frisch gemacht.“ Das Rezept für das extra zubereitete Restlessen hat Jasmins Großmutter in einem noch in Kurrentschrift verfassten Kochbuch festgehalten. Dort finden sich auch weitere traditionelle Gerichte wie Scheiterhaufen, Grammel- oder Marillenknödel. „Ich mache durchaus mal ein Rezept aus ihrem Kochbuch, aber die Lieblingsspeisen von damals koche ich bewusst nicht nach. Das ist einfach der Geschmack meiner Kindheit, und so wie bei der Oma, schmeckt es einfach nirgends“, erzählt Jasmin.

Die Zutaten für ihre internationale Sehnsuchtsküche sind allesamt in Wien erhältlich, darauf hat Jasmin bei der Zusammenstellung der Rezepte großen Wert gelegt. In der Casa Mexico im siebenten Bezirk bekommt man diverse Zutaten aus der mittelamerikanischen Küche, „dazu haben sie dort auch den besten Tequila und den besten Mezcal“. Im 6. Bezirk gibt es einen Supermarkt, der sich auf südasiatische und indische Küche spezialisiert hat. Auch Merkur und Meinl am Graben seien in dieser Hinsicht gut sortiert. Und schließlich könne so manche Zutat selbst hergestellt werden, wie zum Beispiel eine Gewürzpaste, die Jasmin auf den Kap Verden kennengelernt hat.

jasmin_02 coverDie vor der Tür stehende Weihnachtsreisezeit wird für Jasmin heuer etwas kürzer ausfallen, denn im Jänner 2018 erscheint ihr neues Kochbuch Eine Portion Liebe – Kulinarische und literarische Verführungen. Wenn die Autorin trotzdem mal das Fernweh packen sollte, zum Beispiel nach Guatemala, bietet sich ihr mit der Sehnsuchtsküche mittlerweile eine gute Möglichkeit, um dieses auch daheim stillen zu können.

Fernweh – Heimweh – Sehnsuchtsküche von Jasmin Parapatits, erschienen bei Facultas/Maudrich, 200 Seiten mit farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-99002-031-9

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s