Indiebookday 2019: Festtag für die unentdeckten Buchperlen

Am 30. März 2019 ist es wieder soweit: Zum bereits siebenten Mal wird der Indiebookday gefeiert und mittlerweile gibt es Veranstaltungen und Aktionen in vielen Ländern der Welt, die auf diese Art Bücher aus kleineren und unabhängigen Verlagen hochleben lassen. Auch in Wien kommen Indiebookfans heuer auf ihre Kosten.

Die Geburtsstunde des Indiebookdays fällt ins Jahr 2013. „Die Idee entstand vor allem dadurch, dass wir uns gefragt haben, warum es kein Pendant zum Record Store Day für Bücher gibt. Wenn es schon darum geht, unabhängige Plattenlabels zu unterstützen, dann geht das ja auch super mit Büchern“, erzählt Nefeli Kavouras vom Mairisch Verlag, auf dessen Initiative hin der Indiebookday ins Leben gerufen wurde. Im Fokus des Aktionstages steht eine simple Idee: Man geht in die Buchhandlung seiner Wahl, kauft ein Buch von einem unabhängigen Verlag und postet anschließend ein Foto von Buch (und KäuferIn) in den Sozialen Medien, inklusive Hashtag #indiebookday.

„Mit Liebe geführte kleine Verlage“

Welche Bücher in die Kategorie Indiebook fallen, ist laut Kavouras leicht erklärt: Ein Indiebook ist ein Buch, das bei einem unabhängigen Verlag erscheint. „Es geht uns dabei aber nicht darum zu sagen, dass ein Buch von einem unabhängigen Verlag besser ist als von einem Publikumsverlag, sondern aufzuzeigen, wie viele mit Liebe geführte kleine Verlage es gibt, die konzernunabhängig arbeiten“, betont die Mitarbeiterin des Mairisch Verlags gegenüber Books in Vienna.

Einer jener Wiener Verlage, die in diese Kategorie der unabhängigen Verlage fallen, und die den Indiebookday seit 2013 auf die ein oder andere Art begehen, ist die Edition Atelier. „Es gibt viele unabhängige Verlage, die mit viel Leidenschaft und Selbstausbeutung großartige Bücher machen und damit die Buchlandschaft mehr als bereichern. Viele Buchhandlungen geben diesen Büchern eine schöne Präsenz, dass aber einmal im Jahr diese unabhängigen Verlage im Mittelpunkt stehen, ist nicht nur schön und wertschätzend, sondern auch unterstützend“, erläutert Sarah Legler von der Edition Atelier. Auch Clemens Ettenauer vom Holzbaum Verlag lobt den Indiebookday als „schöne Sache“ und Michael Marlovics von Text/Rahmen freut sich über den Indiebookday als gute Möglichkeit, „um an der Wahrnehmungsschraube zu drehen und ein starkes Lebenszeichen abzusetzen.“

Lhotzkys Literaturbuffet und Books4Life laden zu Indiebookday-Events in Wien

Besagte starke Lebenszeichen werden in Wien heuer immerhin an zwei Orten abgesetzt. Den Auftakt macht um 12 Uhr Lhotzkys Literaturbuffet in der Leopoldstadt. Bis ca. 15:30 Uhr präsentieren dort im Viertelstundenrhythmus Autorinnen und Autoren ihre Bücher, darunter Evelyn Steinthaler Persmanhof (Bahoe Books) und David Bröderbauer Wolfssteig (Milena Verlag). Das Literaturbuffet ist bereits traditionell beim Indiebookday dabei, „wir wollen damit die Vielseitigkeit der Buchbranche aufzeigen und ein wenig mehr aus dem Nähkästchen erfahren“, betont Clara Felis. Der lokale Bezug ist es auch, den Verleger Ralph Klever am Indiebookday zu schätzen weiß. „Diese Art von globaler Regionalisierung, sich also beim nächstgelegenen Buchhändler im Bezirk, ein Stelldichein zu geben, finde ich sehr fein“, sagt Klever zu Books in Vienna. Passenderweise dazu wird am Samstag mit Andrea Roedig eine ebenfalls im Bezirk wohnende Autorin aus seinem Verlag in Lhotzkys Literaturbuffet dabei sein und aus Schluss mit dem Sex lesen (14:45 Uhr). Das gesamte Indiebookday-Programm in Lhotzkys Literaturbuffet findet ihr hier.

Am späteren Nachmittag können Wiener Indiebookday-Fans dann zum karitativen Buchladen Books4Life Wien in der Josefstadt weiterziehen, wo ab 16 Uhr vier Lesungen und ein abschließender Tagebuchslam mit Diana Köhle auf dem Programm stehen. „2018 haben wir zum ersten Mal einen Event zum Indiebookday veranstaltet und wir waren begeistert“, erzählt Marion Wittfeld von Books4Life. „Die Wiener Indiebook-Verlage werden mit sehr viel Herzblut und einer großen Portion Idealismus betrieben – so wie unser kleiner karitativer Buchladen auch. Hier kommt also zusammen, was zusammengehört“, freut sich Wittfeld.

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Ludwig Lohmann organisiert den Indiebookday seit 2016 für das Ocelot in Berlin und die Veranstaltungen „werden jedes Jahr größer.“ Foto: Simone Hawlisch

Während der Indiebookday in Österreich allgemein noch ein wenig als Geheimtipp gilt, wird dem Aktionstag Tag in Deutschland wesentlich mehr Raum gegeben. Seit Beginn an mit von der Partie ist auch die Buchhandlung Ocelot in Berlin. „Wir laden jedes Jahr unabhängige Verlage zu uns ein, die in kurzen Präsentationen ihren Verlag und einige aktuelle Bücher vorstellen“, erzählt Ludwig Lohmann von Ocelot. Für die Buchhandlung in Berlin-Mitte ist der Indiebookday „ein Festtag, an dem wir die Vielfalt, den verlegerischen Mut und die Schönheit außergewöhnlicher Bücher feiern.“ Und in der Ausgestaltung dieses Festtags geht Ocelot gerne kreative neue Wege: „Im letzten Jahr haben wir die Verlegerinnen und Verleger erstmals gebeten, jeweils ein Lieblingsbuch aus einem anderen unabhängigen Verlag zu empfehlen. Das haben alle auf Anhieb sehr gern gemacht, der Zusammenhalt in diesem Teil der Branche ist großartig.“

„Indiebooks sind interessanter und besser ausgestattet“

Für Lohmann sind Indiebooks in der Regel literarisch interessanter und besser ausgestattet. „Im Gegensatz zu Büchern aus großen Verlagen stehen Indiebooks meist keine großen Marketingbudgets zur Verfügung. Das heißt, das Buch muss für sich sprechen. Durch die Auswahl des Textes ebenso wie durch seine Gestaltung“, so Lohmann. Dies verlange viel Gespür, Wissen und Geschmack seitens derjenigen, die die Bücher machen. „Von dieser Fähigkeit, Perlen zu entdecken, profitieren wir Indiebook-Leserinnen und –Leser. Hier ist Verlegen Kunst – nicht Markt.“ Für heuer plant Ocelot wieder ein ganztägiges Indiebook-Festival. Ab 10:30 Uhr haben Kinderbuchverlage und ab 14:30 Uhr weitere unabhängige Verlage und AutorInnen die Möglichkeit, sich in der Buchhandlung zu präsentieren. KundInnen werden während des gesamten Tages mit ihren neuerstandenen Indiebooks auf den Social Media Kanälen von Ocelot gefeatured und am Ende des Tages wartet schließlich der Auftritt eines Überraschungsgastes.

Indiebookchallenge 365 Tage im Jahr

Ob nun im Rahmen einer Veranstaltung in Berlin oder Wien oder beim Indiebook-Shopping beim persönlichen Buchnahversorger ums Eck – der Indiebookday bietet zahlreiche Möglichkeiten, um in die vielfältige Welt der unabhängigen Verlage einzutauchen. Wer an diesem Samstag keine Zeit dafür haben sollte, die/der kann übrigens auch jeden beliebigen anderen Tag zu seinem ganz persönlichen Indiebookday machen. Anregungen dazu gibt’s bei der Indiebookchallenge von Sarah Käsmayr (Maro Verlag).