La Librería: Wo einem Wien (nicht) spanisch vorkommt

Wenn in Österreich derzeit von Spanien die Rede ist, sind die Wörtchen Ibiza und Video meistens nicht weit entfernt. Dass Spanien wesentlich mehr zu bieten hat, als eine Mittelmeerinsel mit ihren Party- und Amateurfilmlocations, das wird schnell klar, wenn man La Librería in der Gentzgasse 128 betritt.

Seit 1996 versorgen Amalia Hernández Páez und Manfred Gmeiner von hier aus, nicht weit entfernt von der S-Bahnstation Gersthof, Wien und Österreich mit spanischsprachiger und portugiesischer Literatur. „Als wir begonnen haben, war das Angebot für spanischsprachige Bücher in Wien sehr überschaubar“, blickt Manfred Gmeiner im Gespräch mit Books in Vienna zurück. „Es gab den Südwind mit seinem entwicklungspolitischen Schwerpunkt und die Universitätsbuchhandlung Gerold beim Stephansplatz, die sich mit ihrem Angebot aber eher an ein universitäres Publikum gerichtet hat.“ Also haben die beiden beschlossen, kurzerhand selbst eine Buchhandlung aufzumachen. Zu den spanischsprachigen Büchern gesellte sich bald auch portugiesische Literatur hinzu. Der Standort in der Gentzgasse habe sich aus persönlichen Gründen so ergeben und trotz fehlender Laufkundschaft zeigt sich Gmeiner zufrieden mit der Wahl: „Mir ist eine bekannte Straße mit Straßenbahn lieber, als ein Seitengasserl zwischen Mariahilfer Straße und Burggasse.“ Außerdem gebe es im Grätzl eine überraschend große lateinamerikanische Community.

lalibreria_02Dabei stellen MuttersprachlerInnen gar nicht die zentrale Zielgruppe für Gmeiner und seine Partnerin dar. Denn neben der spanischen und portugiesischen Originalliteratur hat die Buchhandlung auch ein breites Angebot an Lernmaterial im Sortiment. Insbesondere Schulen aus den Bundesländern machen sich immer wieder das Know-how der La Librería zunutze und bestellen hier ihre Unterrichtsmaterialien. Zu schätzen wissen sie auch die über zwanzigjährige Berufserfahrung, die Hernández Páez und Gmeiner mittlerweile angesammelt haben. So wissen Gmeiner und seine Partnerin ganz genau, in welchen spanischen Kleinverlagen sie Bücher von lateinamerikanische Autorinnen und Autoren finden. Denn nur weil diese in ihrer Heimat populär sind und vielleicht schon in großen Verlagen veröffentlichen, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Bücher für eine österreichische Buchhandlung leicht zu bestellen sind. Dazu passt eine Erfahrung, die Gmeiner in letzter Zeit immer häufiger mit mexikanischen Vertriebsfirmen macht. „Bis wir von dort eine Antwort auf unsere Bestellung bekommen, dauert es heutzutage recht lang. Und es kommt mittlerweile häufiger vor, dass dann von dreißig bestellten Titeln lediglich fünf lieferbar sind, obwohl wir aus anderen Quellen wissen, dass auch die anderen Bücher in Mexiko sehr wohl erhältlich sind“, wundert sich Gmeiner. „Das war früher anders und man hat mitunter den Eindruck, dass es sich für die nicht mehr auszahlt, speziellere Titel aufzutreiben und diese nach Europa zu schicken.“ In solchen Fällen müssen also kreativere Lösungen her. Zum Beispiel werden dann private Kontakte angezapft, die die Bücher vor Ort in Lateinamerika besorgen.

lalibreria_06Gmeiners Interesse für spanischsprachige Literatur wurde während seines Studiums durch einen kubanischen Professor geweckt. Es folgte ein Auslandssemester in Spanien (zwecks Spracherwerb) und nachdem er schon immer gerne und viel gelesen hatte, fand er in der Folge auch immer mehr zu spanischsprachigen Büchern. „Besonders interessant finde ich sprachlich anspruchsvolle sozialkritische Novellen, die die gesellschaftlichen Verhältnisse diskutieren, sowohl aus Lateinamerika als auch aus Spanien“, erzählt Gmeiner. Zuletzt hatte es ihm unter anderem Crímenes del futuro von Juan Soto Ivars besonders angetan („eine dystopische Novelle, die das Auseinanderdriften der Gesellschaft in einen urbanen reichen Teil und eine davon abgeschottete ärmere Bevölkerung auf dem Land thematisiert“). Oder Volver al oscuro valle von Santiago Gamboa, der in seinem Roman die Aufbruchsstimmung nach dem Friedensschluss in Kolumbien nachzeichnet, inklusive aller Grauschattierungen zwischen den üblichen Schwarz-Weiß-Zuschreibungen.

lalibreria_04Aber nicht nur die großen bekannten Autorinnen und Autoren liest Gmeiner gerne, er weiß auch zu schätzen, dass er in der La Librería relativ unabhängig agieren kann. „Die spanischen Bestsellerlisten dringen nicht so nach Österreich durch. Dadurch gelingt es uns besser, qualitativ hochwertige Bücher von kleinen Literaturverlagen zu empfehlen und zu verkaufen“, so Gmeiner. Neben Lernmaterialien, Kinderbüchern, Fachliteratur und spanischsprachiger Originalliteratur hat die La Librería auch Übersetzungen von deutschsprachiger Literatur im Angebot. Von den Klassikern á la Stefan Zweig oder Joseph Roth wurde längst das komplette Werk übersetzt und auch von zeitgenössischen Autorinnen und Autoren wie Norbert Gstrein, Vea Kaiser oder Arno Geiger finden sich einzelne Übersetzungen in der Buchhandlung.

lalibreria_03Wer an spanischer und portugiesischer Literatur interessiert ist, wird sich in der La Librería also gut aufgehoben fühlen. Genauso wie Anwohner aus dem Grätzl rund um Aumannplatz und Gentzgasse, die die Buchhandlung als bibliophilen Nahversorger nutzen. Und wer in diesen Tagen nicht ohne Ibiza sein kann, für die/den hat La Librería natürlich auch etwas im Angebot: Den Schüler-Lernkrimi Heiße Spur auf Ibiza (Spanisch Wortschatz und Grammatik).

get in contact: La Librería – Gentzgasse 128, 1180 Wienwww.libreria.atlibreria@libreria.at

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