Buch im Beisl: Lesen ist das beste Futter fürs Gehirn

„Meine Idee ist es, hier eine gute Mischung aus bekannteren AutorInnen sowie DebütantInnen zu haben“, sagt Julia Krammer im Gespräch mit Books in Vienna. Seit 2018 kuratiert sie die Lesereihe Buch im Beisl. Gegründet wurde Buch im Beisl vor fast dreißig Jahren von Manfred Judmaier als klassisches Literaturvermittlungsprojekt. „Im Beisl sind die Leute ja sowieso, dann kann man ihnen dort auch gleich ein bisschen Kultur und Literatur anbieten“, erklärt Julia.

Zu Beginn war es ein Wanderprojekt in verschiedenen Beisln, verteilt über die ganze Stadt. Später wurde man in Ottakring sesshaft und Manfred Judmaier begann damit, die inhaltliche Gestaltung der Lesereihe immer wieder an Studierende der Sprachkunst abzugeben. Heute kümmert sich Judmaier um den organisatorischen und finanziellen Bereich, während Julia Krammer die Programmgestaltung und Öffentlichkeitsarbeit innehat.

julia1
Seit 2018 kuratiert Julia Krammer die Lesereihe „Buch im Beisl“

Zu ihrer Position kam Julia per Zufall. „Ich habe selber mal als Autorin bei Buch im Beisl gelesen und wurde im Anschluss gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die Reihe zu kuratieren“, erzählt sie. In der Programmgestaltung hat sie vollkommen freie Hand. Wer in ihr Beuteschema (hauptsächlich E-Literatur) passt, die/den kontaktiert sie. Es ist aber auch möglich, dass sich AutorInnen mit ihren Texten bewerben. „Ich freue mich immer über Bewerbungen“, erklärt Julia und betont, dass die Manuskripte dafür nicht unbedingt fertig sein müssen. „Es ist mir viel wichtiger, dass man bei einem Text etwas spürt und dass ein gewisser sprachkünstlerischer Anspruch da ist.“ Ganz besonderes Anliegen sind ihr dabei Autorinnen und Autoren, die noch nie aus ihren Texten gelesen haben. „Wir wollen mit Buch im Beisl einen Leseort bieten, an dem man sich in einem angenehmen Ambiente und unter professionellen Bedingungen ausprobieren kann.“ Viele SchriftstellerInnen haben laut Julia eine gewisse Hemmschwelle, sich und ihre Texte in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zudem hätten es „DebütantInnen besonders schwer, irgendwo reinzukommen. Dabei muss man mit seinen Texten nach draußen gehen, sonst liegen sie nur daheim in der Schublade“, erklärt Krammer, die nicht nur selbst schreibt, sondern auch als Songwriterin und Sängerin aktiv ist. Aber auch die Entlohnung für die künstlerische Leistung ist ihr ein großes Anliegen. „Literatur ist Arbeit und somit ist Literatur auch etwas wert. Diese Message ist für uns zentral. Wenn man hier liest, bereitet man sich schließlich vor und man leistet Arbeit. Dafür soll man Geld bekommen“, betont Krammer. Aber egal ob DebütantIn oder etablierte/r AutorIn: Die Lesereihe ist bereits bis Sommer 2020 programmiert, potenzielle Interessenten müssen sich also ein bisschen gedulden.

Etwas zum Summen bringen

Natürlich hat die Kuratorin einer Veranstaltungsreihe wie Buch im Beisl eine innige Beziehung zu Büchern. „Ich bin jemand, der sich sehr gerne fortbildet und Lesen ist überhaupt das beste Futter fürs Gehirn“, sagt Julia Krammer, die sich während ihres Jus-Studiums auch nicht von den dicksten Wälzern abschrecken ließ. „Ich finde es schön, mich in Denkweisen hineinzuversetzen, die mir selbst nicht nahe sind und durch die ich mein Bewusstsein erweitere. Und ich verbringe einfach sehr gerne Zeit mit den Figuren. Es gibt etliche literarische Werke, von denen ich so sehr in den Bann gezogen werde, dass ich die Welt durch die Augen der Figuren gesehen habe, wenn ich tagsüber in meinem Alltag unterwegs war.“ Inspiration für ihr eigenes Schreiben findet sie in intertextuellen Werken sowie in Kombinationen aus Text und Musik. „Ein cooler Satz oder ein cooler Texteinstieg“ kann sie genauso begeistern wie Texte, die ihr im Alltag über den Weg laufen. Wichtig ist für Julia Krammer lediglich: „Texte müssen in mir etwas zum Summen bringen“.

BIB1Man kann davon ausgehen, dass auch unter den bei Buch im Beisl vorgetragenen Werken so manche Texte dabei sind, die Julia zum Summen bringen. Die Lesereihe soll jedenfalls weiter wachsen, zusätzlich strebt die Kuratorin ein bisserl mehr Breitenwirksamkeit an. „Und ich wünsche mir, dass ich auch weiterhin jeden Mittwoch dort weggehe und mir denke, dass das ein wirklich cooler Abend war.“

Buch im Beisl startet am 2. Oktober 2019 mit Nina Quintero und Rudolf Kraus in die Wintersaison (20 Uhr, Club International, Payergasse 14, 1160 Wien). Bis Ende Jänner 2020 stehen (jeweils mittwochs) insgesamt fünfzehn Lesungen auf dem Programm, darunter von Marie Luise Lehner (Im Blick) und Jörg Zemmler (Seiltänzer und Zaungäste) – so wie es ausschaut, ist es Julia Krammer also auch in dieser Saison wieder gelungen, die eingangs erwähnte „gute Mischung“ zu finden.

get in contact: Buch im Beisl – www.buchimbeisl.atWebsite von Julia Krammer – Buch im Beisl auf Facebook

Fotos: Buch im Beisl