Lisa Grüner: „Der Feind kommt immer von Außen“

Schuld war meine Mutter.“ Mit dem ersten Satz ist es oft so eine Sache für Autorinnen und Autoren. Manchen fällt er unter der Dusche ein, andere hoffen auf eine Eingebung ihres Lektors oder ihrer Lektorin. Wiederum andere schreiben fünf Varianten auf je ein Blatt Papier und lassen FreundInnen und Bekannte ihr Urteil fällen. Für letztere Möglichkeit entschied sich Lisa Grüner bei ihrem Kriminalroman Schwanenkuss. Am 15. Oktober 2019 liest sie daraus im Rahmen der 15. Wiener Kriminacht.

Ganz und gar nicht blutrünstig

Eigentlich wollte Lisa Grüner ja schon vor einigen Jahren ein Buch schreiben, „dann ist mir aber die Malerei dazwischengekommen. Ich habe mich dann ganz in die Kunst geschmissen“, erzählt Grüner im Gespräch mit Books in Vienna. Die damalige Buchidee schlummert nach wie vor in einer ihrer Schubladen, doch ließ ihr die Malerei zwischenzeitlich genug Muße, um sich einem anderen Buchprojekt zu widmen. „Der Krimi beruht auf einer wahren Begebenheit und diese wahre Geschichte hat mir so gut gefallen, dass ich mich einfach hingesetzt und losgeschrieben habe.“ Drei Jahre später erschien Schwanenkuss im Gmeiner Verlag. Die Story dreht sich um die Wienerin Carina Senner, die mit dem Schwanenbussi eine Marke registrieren lassen will, die am beschaulichen Traunsee jedoch sowohl von einem Konditor (für einen Mürbteig-Keks) als auch vom lokalen Tourismusmanagement (für ein Magazin) verwendet wird. Daraus entsteht eine Geschichte rund um Intrigen und Missverständnisse, die jedoch ohne Blutvergießen auskommt. „Mein Krimi ist eher lustig und ganz und gar nicht blutrünstig“, erklärt Grüner.

Grundsätzlich ist es für die studierte Publizistin wichtig, eine spannende Story gut zu erzählen, einzelne Teile der Geschichte können dabei durchaus auch auf Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben basieren. „Ich glaube, dass man Dinge nur dann gut macht, wenn man von ihnen tatsächlich eine Ahnung hat. Und je mehr man in eine Geschichte involviert ist, desto genauer und emotionaler kann man sie auch erzählen“, sagt Grüner.

Spannungsfeld zwischen Stadt und Land

Die Geschichte pendelt dabei zwischen Wien und Oberösterreich hin und her. Ein Gegensatz, den die gebürtigen Oberösterreicherin, die nun in Wien lebt, bestens nachempfinden kann. „Ich finde das Spannungsfeld zwischen Stadt und Land sehr interessant, vor allem die unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen. Der Feind kommt ja bekanntlich immer von außen. Und nachdem die Menschen in den Bundesländern traditionell nicht so gut auf die Wiener zu sprechen sind, passt das sehr gut“, sagt Grüner. Ihre Protagonistin hätte also nicht aus einer anderen österreichischen Stadt stammen können, da musste es schon Wien sein. „Vielleicht hätte auch München funktioniert, die Deutschen spielen in Österreich ja mitunter eine ähnliche Rolle wie die Wiener“, sagt Grüner, die vor Schwanenkuss bereits im Verlagshaus Hernals Kurzgeschichten (Bertls Welt – Geschichten aus Hernals) veröffentlicht hat.

Wiener Kriminacht am 15. Oktober 2019

Ihre eigene Mutter hat die Autorin übrigens vorab über den ominösen ersten Satz und vor allem dessen Bedeutung informiert. „Ich habe ihr das erklärt und ihr auch gesagt, dass das natürlich nichts mit ihr zu tun hat. Aber es hat sie trotzdem gerissen, als sie den Satz ‚Schuld war meine Mutter‘ zum ersten Mal bei einer Lesung gehört hat.“ Es seien daraus aber, versichert die Autorin, keine gröberen Unstimmigkeiten entstanden. Wer den ersten Satz ihres Krimis (und viele weitere mehr) ebenfalls aus dem Mund von Lisa Grüner hören will, die/der bekommt Gelegenheit dazu im Rahmen der Wiener Kriminacht am 15. Oktober 2019 im Wirtshaus Zum Nepomuk, Beginn ist 19 Uhr. Weitere Infos zum Programm der Kriminacht findet ihr auf der Veranstaltungswebsite. Und wer nach der Kriminacht noch nicht genug von Mord und Totschlag hat, bekommt im Oktober mit dem neuen Krimifest eine Reihe weitere Möglichkeiten, um Krimiautorinnen und -autoren zu lauschen. Mehr dazu folgt bald auf Books in Vienna.

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Foto: Paul Feuersänger