Erlesenes von der (abgesagten) Leipziger Buchmesse

„Schweren Herzens und mit großem Bedauern müssen wir Ihnen heute mitteilen, dass die diesjährige Leipziger Buchmesse, die für den 12. bis zum 15. März geplant war, nicht stattfinden wird.“ Mit diesen Worten leiteten die Organisator*innen der Leipziger Buchmesse ihre Mitteilung über die Absage der nach Frankfurt zweitgrößten Buchmesse Deutschlands ein. Ein Teil des Veranstaltungsprogramms wurde kurzerhand von ARD und MDR Kultur ins Internet verlagert und auch die Preisträger*innen des Preises der Leipziger Buchmesse sollen wie geplant am 12. März 2020 verlautbart werden.

Auch für die heimischen Verlage spielt die Leipziger Messe traditionell eine große Rolle als Präsentationsfläche des eigenen Frühjahrsprogramms. Damit ihr euch – trotz der Absage – zumindest einen kleinen Überblick über jene Neuheiten verschaffen könnt, die die Wiener Verlage bzw. andere Verlagshäuser in punkto Wien auf der Leipziger Buchmesse präsentiert hätten, haben wir Verlage dazu eingeladen, ein Highlight aus ihrem jeweiligen Frühjahrsprogramm auf Books in Vienna zu präsentieren. Die Auswahl der Bücher und der Begleittexte oblag dabei den Verlagen, es handelt sich also um keine Rezensionen seitens Books in Vienna. Die Auflistung der Bücher erfolgt alphabetisch anhand der Verlagsnamen.

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Beethoven.an.denken – Das Theater an der Wien als Erinnerungsort hg. von Julia Ackermann und Melanie Unseld, Böhlau
Ludwig van Beethoven war am Theater an der Wien engagiert, seine Oper Fidelio (und weitere Werke) wurden dort uraufgeführt. Das Buch zeichnet ein lebendiges Bild der dortigen Lebensumstände und Arbeitsbedingungen, der Netzwerke des Komponisten und der politischen, gesellschaftlichen und historischen Begebenheiten dieser Zeit.
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Klimawandel. Fakten gegen Fake & Fiction von Markus Wadsak, Braumüller Verlag, Erscheinungstermin 2. März 2020
Vom Klimawandel sind alle betroffen. Hitzewellen und Dürren lassen keinen Zweifel mehr zu: Es wird immer heißer. Niemand hat diese Veränderungen genauer im Blick als der Wetterexperte Marcus Wadsak. Was können wir tun, damit auch unsere Nachkommen noch gut hier leben können? Dieses Buch ist eine kompakte Informationsquelle auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft. Denn wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann.
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Zwei Königskinder von Sophie Reyer, Czernin, 25. März 2020
Käthe ist dreizehn Jahre alt und kämpft mit dem Erwachsenwerden in der Provinz. Ihre Mutter hat die Familie verlassen, ihr Vater ist wortkarg. Doch dann trifft sie in einer Chorprobe auf Johanna und scheint in ihr nicht bloß eine Freundin, sondern auch ein neues Zuhause gefunden zu haben. Von diesen Gefühlen zusehends verwirrt, beginnt sich etwas in Käthe zu verändern. Eine berührend wie ungeschönt erzählte Geschichte über die Wirren des Erwachsenwerdens und ein Mädchen, das ein Mädchen liebt.
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Sisi, Sex und Semmelknödel – Ein Araber ergründet die österreichische Seele von Omar Khir Alanam, edition a, 28. März 2020
2015 kam er kurz vor den großen Flüchtlingsbewegungen nach Öster­reich. Inzwischen lebt Omar Khir Alanam gut integriert mit seiner österreichischen Frau und einem kleinen Kind in Graz. In den ver­gangenen fünf Jahren hörte er sich von den Österreichern an, wie Araber sind und wie sie nicht sind. In diesem Buch vertauscht er die Rollen und erzählt den Öster­reichern, wie er selbst sie erlebt hat und was er über sie und die österreichische Seele herausge­funden hat. Eine witzige Abrech­nung, die es den Angesproche­nen ermöglicht, sich dennoch wertgeschätzt zu fühlen.
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Das nächste Mal bleib ich daheim. Umweltbewusstsein im Gepäck von Claudia Endrich, Edition Atelier, 18. Februar 2020
Claudia kann sich ein Leben ohne Reisen nicht vorstellen. Regelmäßig packt sie mit Begeisterung ihren Rucksack und startet in neue Abenteuer. Nun soll es für ein halbes Jahr zu ihrem Freund Tom nach Peru gehen. Doch am Flughafen mag einfach keine Vorfreude aufkommen. Claudia beginnt ihre Reiselust zu hinterfragen und über die klimapolitischen Konsequenzen ihres polyglotten Lebens nachzudenken. Die folgenden Monate in Südamerika werden zur womöglich erkenntnisreichsten Reise ihres Lebens.
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Herr Brecht und der Erfolg von Goncalo M. Tavares, Edition Korrespondenzen
Der Herr Brecht von Herrn Tavares ist ein Geschichtenerzähler, der in einem praktisch leeren Raum sitzt und düstere Schnurren zum Besten gibt. Mit dem kontinuierlichen Beschreiben von Misserfolgen wird er aber immer erfolgreicher. Allmählich füllt sich der Saal, bis er dermaßen voll ist, dass niemand mehr durch die Tür passt – und so steckt Herr Brecht mit seinem eigenen Erfolg in der Falle.
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Literaturführer Wien – Auf den Spuren von Autorinnen und Autoren und ihren Werken von Viola Rosa Semper, Falter Verlag, 6. Jänner 2020
Das Buch führt durch die Geschichte und Gegenwart der Wiener Literatur. Es stellt Autorinnen und Autoren vor und geht der Frage nach, wo Literatur in Wien heute stattfindet. Es spannt den Bogen von der Wiener Kaffeehausliteratur zur zeitgenössischen Prosa, von den Anfängen des Minnesangs zu den großen Wiener Dramatikern sowie zu den Verfasser*innen von Feuilletons, Streitschriften und Prosaskizzen und den Urheber*innen der ersten Romane. Weiters empfiehlt es sechs Spaziergänge zu Erinnerungsstätten, Grabstellen und literarischen Kuriositäten in der Stadt.
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Grün wie ich dich liebe grün von Ana Schnabl, Folio, 10. März 2020
Ana Schnabl hält in ihren raffinierten Erzählungen auf ganz ungewöhnliche Weise menschliche Beziehungen fest. Da ist die verstörende Unruhe einer Frau in der Warteschlange einer Apotheke, oder die junge Mutter, die um die Aufmerksamkeit ihres Mannes ringt, doch keine Liebe für ihr Neugeborenes empfindet, oder das Mädchen, das jede Regung ihrer strahlenden Zwillingsschwester studiert wie die eines seltenen Insekts unter dem Vergrößerungsglas. Die Geschichten berühren mit unerwarteter Heftigkeit und erlauben einen ganz anderen Blick auf den Menschen.
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Im Netz des Lemming von Stefan Slupetzky, Haymon, 2. Jänner 2020
Als der Lemming sich mit einem Freund seines Sohnes die Bim teilt, passiert das Unfassbare: Der Junge erhält eine offenbar schockierende Nachricht auf sein Handy, rennt unvermittelt aus der Bahn und springt von einer Brücke in den Tod. Der Lemming ist fassungslos – Noch mehr, als plötzlich ein Shitstorm auf ihn einprasselt: Von den Medien als pädophiler Triebtäter bezeichnet, droht sich der Lemming in verschiedensten Netzen zu verwickeln: Im World Wide Web und in den feinen Fäden, die die Boulevardpresse spinnt …
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Henri Michaux. Autor und Artist von Manfred Bauschulte, Klever Verlag, März 2020
Der Dichter und Maler Henri Michaux (1899 – 1984) gilt als einer der großen Einzelgänger in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Seit je genießt er den Ruf eines extremen Künstlers. Seine Schriften schillern zwischen intimen Journalen und imaginären Fabeln und Gedichten, seine Malerei verliert sich in einem Strom fragiler Figuren und kryptischer Zeichen. Manfred Bauschultes Biographie ist ein chronologischer Parcours, auf dem die einzelnen Stationen im Leben und Schaffen von Michaux abgeschritten werden.
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Vanitas – Grau wie Asche von Ursula Poznanski, Knaur, 2. März 2020
Carolin Bauer dürfte eigentlich keine Blumen am Zentralfriedhof in Wien binden, denn sie ist tot – offiziell. In Wahrheit ist sie untergetaucht und darf aufgrund der sie bedrohenden Gefahr nicht auffliegen. Ihr Ex-Polizeikollege Robert in München hält seine schützende Hand über sie. Doch im neuen Vanitas-Band „Grau Wie Asche“ ist er verschwunden. Ihre geheimen Botschaften an ihn, verpackt in die Sprache der Blumen, bleiben unbeantwortet, während das Verbrechersyndikat ihr ganz eng auf den Fersen ist.
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Wir verlassenen Kinder von Lucia Leidenfrost, Kremayr & Scheriau, 4. Februar 2020
Ein abgeschiedenes Dorf. Leere Bauernhöfe. Eine aufgelassene Schule. Die Erwachsenen haben nach und nach das Dorf verlassen. Zurückgeblieben sind die Kinder. Sie empfangen Pakete und Geld. Sie kochen, putzen und pflegen die Großeltern und kleinen Geschwister. Scheinbar soll Krieg herrschen rundherum. Als auch der einzige Lehrer das Dorf verlässt, beginnen die Kinder, ihre eigenen Gesetze und Regeln aufzustellen. Was harmlos beginnt, wird rasch zu einem System aus Gewalt und Macht, dem sich alle zu unterwerfen haben. Nur Mila will sich nicht beugen und wird zur Außenseiterin, die bis zum Ende für das Gute kämpft.
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Unter Wölfen von Alex Beer, Limes, 4. November 2019
Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein, der ständig in Angst um seine Familie lebt, bittet eine Widerstandskämpferin um Hilfe. Doch ihre Gegenforderung ist hart: Isaak soll die Gestapo infiltrieren und sich dazu als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgeben – jenen Mann, der vom Führerhauptquartier beauftragt wurde, den Mord an einer berühmten Schauspielerin aufzuklären. Was niemand weiß: Der Kriminalist hat den Anschlag, den die Widerstandsgruppe auf ihn verübt hat, überlebt. Mitten unter Wölfen zieht sich das Netz immer weiter zu und die Gefahr, enttarnt zu werden, ist allgegenwärtig.
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Mein Projekt: Dem Alltag entkommen von René Merten, Maudrich, 25. März 2020
Sie wollen dem Alltag entkommen, aber es klappt nicht? Lassen Sie sich vom erfahrenen Projektmanagement-Kursleiter René Merten zielsicher mit erprobten Tools durch Ihr Vorhaben leiten. Egal, ob Sie ein Sabbatical machen, Ihre Weltreise organisieren oder auf Dauer aussteigen wollen – seine bewährte Methode lässt sich ideal auf Ihr persönliches Vorhaben anwenden.
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Macbeth Melania von Katharina Tiwald, Milena
2017, als gerade der Wahlkampf in Österreich tobt, verlässt Mike Knutkovsky, ein krisengebeutelter deutscher PR-Berater, wegen einer Mini-#MeToo-Affäre Deutschland und heuert bei der SPÖ an. Er bekommt den Auftrag, aus einer alten Eisenhandlung ein Bezirkstheater zu zaubern und landet schlussendlich bei der Autorin Tiwald, die ihm vorschlägt, aus Macbeth per Überschreibung ein Trump-Stück zu machen. Aus Melania wird Lady Macbeth, am Schluss spielt Reinhold Mitterlehner König Duncan, und Fatima, der neue Star, hüpft als Melania Trump im Fatsuit über die Bühne. Ein schräger, lustvoller Roman über unsere Gegenwart.
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Todesalgorithmus – Das Dilemma der künstlichen Intelligenz von Roberto Simanowski, Passagen Verlag, März 2020
Der Kultur- und Medienwissenschaftler Roberto Simanowski lädt in seinem Buch zu einer kühnen philosophischen Spekulation über unsere Zukunft ein: Er sieht in den Erfindern des Silicon Valley nicht mehr und nicht weniger als die Geschäftsführer von Hegels Weltgeist. Neben der Unlösbarkeit von Widersprüchen und Paradoxien der KI verweist er aber auch auf ihre Chancen.
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Feenstaub von Cornelia Travnicek, Picus, 2. März 2020
In einer Schicksalsgemeinschaft sind Petru, Cheta und Magare verbunden, gezwungen in ewiges Kindsein: Sie leben am Rande einer gesichtslosen Großstadt. Täglich müssen sie dafür sorgen, dass die Schatzkiste des Krakadzil voller wird. Der wird schnell ungehalten, wenn die Kasse nicht stimmt, und so rücken die drei Jungs aus, um denen wegzunehmen, die es am ehesten zu verschmerzen scheinen. Auszuhalten ist das für sie nur mit einer täglichen Ration Feenstaub. Vergessene Kindheiten und brutale Ausbeutung: Poetisch bis derb, in kurzen, intensiven Szenen erzählt Cornelia Travnicek von drei Taschendieben wider Willen, die um ihre Zukunft kämpfen.
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Fallen von Paul Auer, Septime Verlag, Februar 2020
In Christians Leben passieren seltsame Dinge. Immer öfter träumt er davon, wie die Geschichte Jesu nach der Kreuzigung weitergegangen sein mochte und spinnt sich in eine Sage über den Teufel ein, die seine Familie seit Generationen in Atem hält. Ein ominöses Foto bringt ihn und seinen Freund Stefan dann auf die Spur einer Verschwörung. Ein märchenhafter Roman über die Wirkmacht von Mythen, Träumen und Traumata, über Identität, Entfremdung und die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.
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Fridolin von Natalie Campbell, text/rahmen, 16. April 2020
Fridolin und Karla sind ein ungewöhnliches Pärchen. Besonders, als Fridolin entdeckt, dass er schwanger ist. In seinem Wurmfortsatz wächst ein Kind heran. Neben den Herausforderungen, die eine Schwangerschaft sowieso mit sich bringt, scheint sein Leben im Chaos zu versinken. In Fridolin stößt Natalie Campbell einen Mann in die unvorhergesehene und überfordernde Situation einer Schwangerschaft und erprobt weibliche Klischees an einem Männerkörper.
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Eine Klasse für sich – Als Wiener Fußballerinnen einzig in der Welt waren von Helge Faller und Matthias Marschik, Verlagshaus Hernals, April 2020
Es ist an der Zeit, die außergewöhnliche Geschichte der ersten österreichischen Fußballerinnen in Wort, Bild und Statistik nachzuzeichnen. In vielerlei Hinsicht waren Österreichs erste Fußballerinnen „eine Klasse für sich“. Dass dieser Aufschwung just in der Zeit des „Austrofaschismus“ gelang, macht ihn auch gesellschafts- und genderpolitisch bedeutsam. Der Kulturwissenschaftler M. Marschik und der Frauenfußball-Forscher H. Faller begeben sich auf die Suche nach den Anfängen des „Damenfußballs“ in Österreich.
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Ich an meiner Seite von Birgit Birnbacher, Zsolnay, 9. März 2020
Arthur, 22, still und intelligent, hat 26 Monate im Gefängnis verbracht. Endlich wieder in Freiheit stellt er fest, dass er so leicht keine neue Chance bekommt. Ohne die passenden Papiere und Zeugnisse lässt man ihn nicht zurück ins richtige Leben. Gemeinsam mit seinem unkonventionellen Therapeuten Börd und seiner glamourösen Ersatzmutter Grazetta schmiedet er deshalb einen ausgefuchsten Plan. Eine kleine Lüge, die die große Freiheit bringen könnte. Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher erzählt davon, wie einer wie Arthur überhaupt im Gefängnis landen kann, und geht der großen Frage nach, was ein „nützliches“ Leben ausmacht.