Facultas am Campus: Eine Universitätsbuchhandlung im besten Sinne

Früher Kuppitsch, dann Thalia, jetzt Facultas: Die Buchhandlung im Hof 1 des Alten AKH ist (nicht nur) für Studierende der Uni Wien ein Fixpunkt. Seit September erstrahlt die Buchhandlung auf zwei Etagen in neuem Glanz. Die beiden, früher in unmittelbarer Nähe verorteten, Medizin- und Sprachenbuchhandlungen von Facultas wurden hier zusammengeführt und um ein breites Fachbuch- sowie ein allgemeines Sortiment erweitert. Ob Handke, Jelinek oder Bernhard – Die Klassiker, die nicht nur auf der Uni gelesen werden, finden sich hier genauso wie zeitgenössische österreichische Literatur oder Bücher von Verlagen, die (noch) ein bisschen im Schatten der großen Publikumsverlage stehen, wie zum Beispiel Matthes & Seitz, Guggolz oder Ink Press.

Traditionell steht das Unipublikum bei Facultas neben den drei Dombuchhandlungen im Mittelpunkt. Der neue Facultas-Standort im Alten AKH versucht nun, beides miteinander zu verbinden. „Die Professoren, für die wir ein schwierig zu bekommendes Buch aus Japan oder Korea besorgen, sollen sich hier auch die neueste Tito-Biografie oder ein Pixibuch für die Kleinen daheim mitnehmen können“, erklärt Theresa Öhler, die in der neuen Buchhandlung für das allgemeine Sortiment zuständig ist, die Idee dahinter. Die am neuen Standort werkenden Kolleg*innen der ehemaligen Facultas-Fachbuchhandlung für Sprachen haben im Sortiment natürlich ebenso ihre Spuren hinterlassen, wie jene der früheren medizinischen Universitätsbuchhandlung Maudrich in der Spitalgasse.

Ausgeglichen mit 50:50 zwischen Studierenden und anderen Kund*innen beschreibt Öhler die Zusammensetzung der Kundschaft. Trotz Coronapandemie und damit großteils ausbleibenden Präsenzvorlesungen und Studierenden ist das Team der Buchhandlung mit den ersten Monaten seit der Eröffnung am 24. September 2020 zufrieden, auch wenn die geplante Eröffnungswoche pandemiebedingt ins Wasser gefallen ist. „Es ist nicht so schlecht gelaufen, wie wir es befürchtet hatten, auch das Weihnachtsgeschäft läuft gut“, so Öhler. Dafür schlägt sich die Coronapandemie zum Beispiel beim Leseverhalten nieder. „Die Leute wollen derzeit eher nichts Schweres haben, sondern sich mit spannenden Romanen oder Wohlfühlkrimis vom Pandemiealltag ablenken. Auch das ist etwas Schönes an Büchern: Ein angenehmer, überschaubarer Rückzugsort zu sein.“

In Coronazeiten bietet der neue Standort den Vorteil, dass man – zum Beispiel im Gegensatz zum Facultas-Standort im NIG – nicht davon abhängig ist, ob die Universitätsgebäude geöffnet oder geschlossen sind. „Während des Lockdowns im Frühjahr hatte das NIG dreieinhalb Monate zu“, blickt Öhler zurück. „Im Falle eines neuerlichen Lockdowns, wie wir ihn jetzt im November erlebt haben, sind wir hier im Alten AKH ein bisschen flexibler, da haben die Studierenden eine sichere Anlaufstelle.“ Diese steht natürlich nicht nur Studierenden zur Verfügung, sondern auch den Anrainer*innen im Grätzl. „Wir versuchen, eine Universitätsbuchhandlung im besten Sinn zu sein, in der man nicht nur Literatur für sein Studium kaufen kann, sondern auch die Menschen aus der Umgebung ihre Bücher bekommen. Das Alte AKH ist ja nicht nur ein Uni-Ort, hier kommen auch ganz viele junge Leute, Familien oder auch ältere Menschen zum Spazieren her.“

Dass das Grätzl im neunten Bezirk eine sehr hohe Buchhandlungsdichte aufweist, dessen sind sich Öhler und das Team rund um die beiden Leiter Robert Hall und Thomas Seidl natürlich bewusst. Ein paar Meter weiter oben an der Alser Straße liegt zum Beispiel die Buchhandlung von Bernhard Riedl. Fährt man mit dem 43er oder dem 44er in Richtung Schottentor, kommt man an der ÖGB-Fachbuchhandlung vorbei (die traurigerweise im Juni 2021 vom ÖGB geschlossen wird). Und auch die Buchhandlung Yellow und das Geschäft von Martina Bartalszky in der Währinger Straße sind nicht weit. „Ja, hier gibt es eine sehr große Buchhandlungsdichte, aber die gibt es im ersten Bezirk auch, und trotzdem existieren dort mehrere Buchhandlungen nebeneinander. Wenn dort eine Buchhandlung schließt, ist eher die hohe Miete das Problem und weniger die Konkurrenz“, glaubt Öhler. Mit einer Buchhandlung die Miete am Graben zu erwirtschaften, sei heutzutage schließlich eine ziemliche Herausforderung.

Obwohl sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass die Buchhandlung im Hof 1 des Alten AKH mittlerweile ein Facultas-Standort ist, finden übrigens immer noch einige Thalia-Kund*innen den Weg hierher, um zum Beispiel Gutscheine einzulösen oder ein bestelltes Buch abzuholen. Es komme sogar vor, dass frühere Kuppitsch-Kund*innen ihr bestelltes Buch abholen wollen, obwohl Kuppitsch vor mittlerweile bereits über einem Jahr in der Thalia-Kette aufgegangen ist. „Auch wenn das mit der Einlösung von Thalia-Gutscheinen bei uns natürlich etwas schwierig ist, versuchen wir allen zu helfen“, sagt Öhler mit einem Lächeln. Und im Idealfall müssen sich die Kund*innen jetzt erstmal auch nicht mehr so schnell auf einen Eigentümerwechsel an diesem Standort einstellen.

get in contact: Facultas Universitätsbuchhandlung am Campus – Altes AKH, Alser Straße 4/1/2/1, 1090 Wien – www.facultas.at/ubc – Facultas UBC auf Instagram