Foto-Serie „Authentic Reading“

Die Serie Authentic Reading porträtiert jeden Sonntag auf Instagram ein Buch, dessen Inhalt mit der Stadt Wien in Verbindung steht. Die Foto-Serie entsteht in Kooperation mit der Buchhandlung im Stuwerviertel. Falls Sie als Verlag einen Buch-Vorschlag für die Foto-Serie haben, können Sie uns gerne per E-Mail kontaktieren.

Die Serie Authentic Reading wird nach Ende der Sommerpause im Herbst 2017 weitergeführt.

67 Die große hitze

Authentic Reading No. 67 (25. Juni 2017): „Über dem Heldenplatz lag dort, wo eigentlich der Himmel zu sein hatte, eine bläulichgraue Dunstplatte, die von einer unsichtbaren Sonne erbarmungslos aufgeheizt wurde. Gelegentlich fegten kleine Windstöße über den Platz, zu schwach, um den Dunst hinwegzufegen, genug stark, um Staub in entzündete Augen zu treiben, und so warm, daß es einem den Atem verschlug.“
Aus: Die große Hitze von Jörg Mauthe (Edition Atelier , 2017)

66 Wien Stadtführer Kinder Haashaus

Authentic Reading No. 66 (18. Juni 2017): „Gleich gegenüber steht ein modernes Haus mit verspiegelter, rund gebogener Fassade, in der sich die anderen Häuser spiegeln. Wie die Flügel eines Flugzeugs wirkt das Stahldach über der höchsten Terrasse (…). Dieses erst 1990 erbaute Haus nennt man Haas-Haus, nach dem Besitzer des Kaufhauses, das früher an dieser Stelle stand.“
Aus: Wien – Stadtführer für Kinder von Brigitte Höpler u.a. (Picus, 2001)

65 Glockengasse29

Authentic Reading No. 65 (11. Juni 2017): „Wir wohnten in der Leopoldstadt, Glockengasse 29. Die Wohnung bestand aus einem Zimmer, der Küche und einem Kabinett; Wasser und zwei Plumpsklos, ausgestattet mit klein geschnittenen alten Zeitungen als Klopapier, befanden sich am Gang. Die zerschnittenen Zeitungen wurden fein säuberlich auf einen Spagat aufgefädelt und abreißbereit mit einem Nagel an die Wand gehängt. So viel Ordnung misste sein.“
Aus: Glockengasse 29 von Vilma Neuwirth (Milena, 2008)

64 Wiener Bagage Operngasse

Authentic Reading No. 64 (4. Juni 2017): „Die Operngasse 14, so fand er heraus, lag schief gegenüber des Cafè ‚Museum‘ an der Ecke zur Elisabethstraße, in welcher wiederum das ‚Smutny‘ beheimatet war, in dem er besonders gerne verkehrte. Allerdings wusste er deswegen noch nicht, ob das Fräulein Doleschal dort alleine wohnte! Sollte er Blumen mitbringen?“
Aus: Wiener Bagage von Andreas Pittler (Gmeiner, 2014)

63 kinder von wien imperial

Authentic Reading No. 63 (28. Mai 2017): „‚Genau‘, sagt der mit dem Bowler und bewegt die Lippen nicht. ‚Sehr richtig. Wir lassen die Kinder in Frieden und besprechen die ganze Sache beim Essen im Imperial. Wenn ich Sie hinbring, werden Sie staunen was für ein Essen.‘ Küßt seine Zigarre. Vertraulich: ‚Ich weiß eine Flasche Schampanjer, wissen Sie wo die herkommt? Übriggeblieben von der Potsdamer Konferenz von den Großen Drei!‘“
Aus: Die Kinder von Wien von Robert Neumann (Die andere Bibliothek, 2008)

62 pompompom

Authentic Reading No. 62 (21. Mai 2017):
„Im Werd
da geh ich auf
sink ein
zwei Ecken weiter
aus der Krummbaumgasse
lacht ein Haus
dem schenke ich meine
Verachtung (…)“
Aus: pompompom poem – Gedichte und Songs von and pawe (Edition Fabrik.Transit, 2017)

61 Wiener Musterbuch

Authentic Reading No. 61 (14. Mai 2017): „Dieses Buch ist ein Füllhorn an Ornamenten, Farben, Ideen und Grafiken. ‚Das Wiener Muster-Buch‘ versammelt auf 160 Seiten Designs, die von Wien inspiriert sind. Von Jugendstil-Ornamenten über die Pandabären in Schönbrunn bis hin zu Biedermeier-Blümchen.“
Aus: Das Wiener Muster-Buch von DieStadtspionin (Wundergarten, 2017)

60 Wiener Märkte

Authentic Reading No. 60 (7. Mai 2017): „Besonders angesagte Lokale erkennt man neuerdings an den vor der Tür geparkten Kinderwägen. So ist es auch am Volkertmarkt, der eine erstaunliche Entwicklung hinter sich hat: Von der Gentrifizierung der Leopoldstadt blieb dieser Teil des zweiten Bezirks bis vor kurzem unberührt (…). Doch selbst wenn es hier nach wie vor ungleich entspannter zugeht als im Karmeliterviertel, sperren nun auch in diesem Abschnitt der nahen Taborstraße Werbeagenturen und Architekturbüros auf, während der Markt, der 1878 ursprünglich illegal errichtet wurde, langsam aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen scheint.“
Aus: Wiener Märkte – Kulinarische Spaziergänge von Georg Renöckl (braumüller, 2017)

59 Bezirkowitsch Ach Wien

Authentic Reading No. 59 (30. April 2017): „Jacques Offenbach hat nicht nur Fans in Wien (2., Ennsgasse).“
Aus: Ach Wien! Eine Hommage an das Zufällige in der Stadt von Maximilian Zirkowitsch (Holzbaum, 2016)

58 Im Fluss Praterstern

Authentic Reading No. 58 (23. April 2017): „Am ersten Regentag machen wir uns auf den Weg zurück nach Wien. Im Grätzl gleich neben dem Bahnhof Praterstern wird ein Haus verbarrikadiert. Das Innenministerium kommandiert Truppen aus den Bundesländern zur Verstärkung in die Hauptstadt ab. Es braut sich was zusammen.“
Aus: Im Fluss – Schelmengeschichte von Erna W. (2016)

57 AR Albertina letztes Rennen

Authentic Reading No. 57 (17. April 2017): „Unvergesslich der Tag, an dem sich (mein Vater) überreden ließ, in eine Ausstellung zu gehen, weniger mir als meiner ersten Freundin Anna zuliebe. Auf dem Albertinaplatz gingen einige Fiaker frierend vor ihren Gespannen auf und ab. Im scharfen Novemberwind standen die Mähnen der Pferde für einige Sekunden aufrecht, fielen in sich zusammen und hoben sich wieder zu kraftlosen Irokesenschnitten.“
Aus: Das letzte Rennen von Marjana Gaponenko (C.H. Beck, 2016)

56 Wien Reiseführer Riesenrad

Authentic Reading No. 56 (9. April 2017): „Riesenrad. Der Klassiker seit 1897, als die Attraktion zum 50. Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph errichtet wurde. Wer in der Reihe der Touristen auf seine Chance wartet, wird heute noch dafür belohnt.“
Aus: Wien von Uwe Mauch (Trescher Verlag, 2017)

55 Erstbezug Gürtel

Authentic Reading No. 55 (2. April 2017): „Draußen vor dem Café rumpelte auf dem Gürtel ein Lastwagen vorbei. Der Gürtel. Das waren sechs Spuren graue Durchfahrtsstraße, die Wien von Süden nach Nordwesten hin in der Form einer Sichel zerschnitt. Drei Spuren innen, drei außen, dazwischen ein Viadukt der alten Stadtbahn. In Summe ergab das eine nimmermüde Verkehrshölle, entlang an verstaubten Gründerzeithäusern, in denen die hausten, die sich nichts anderes leisten konnten.“
Aus: Erstbezug von Stefan Peters (Picus, 2017)

54 Bahoe Auf Europa

Authentic Reading No. 54 (26. März 2017): „Inspektor Zwezler blickte genervt auf sein Mobiltelefon. Ein zweiter SMS Ton durchschnitt die Wortbrocken, welche Schnattermary unaufhörlich auf Zwezler einprasseln ließ. Er fing einen mit der offenen Hand auf, machte eine Faust und zermalmte ihn genüsslich. Eine Taube hatte sich fast täuschen lassen, machte jedoch auf halbem Weg kehrt und stolzierte Richtung Votivkirche.“
Aus: Auf nach Europa! Die geheimnisvollen Fälle des Inspektor Zwezler und seines Partners Moik von The Real Crime Inc (bahoe books, 2016)

53 Lemming Berggasse

Authentic Reading No. 53 (19. März 2017): „Der Afrikaner zittert am ganzen Leib. Seine Haut hat nun doch einen leichten Grauton angenommen. Es gelingt ihm, den Wagen zu wenden und, wie in Trance, die dicht verparkte Berggasse hinabzufahren. Steil geht es jetzt hinunter in den Kessel des neunten Bezirks, in die Rossau, wo sich der Smog sein Nest gebaut hat, wo die Luft immer ein wenig schlechter ist als sonst in Wien und wo sich dennoch ein Straßencafè ans nächste reiht.“
Aus: Der Fall des Lemming von Stefan Slupetzky (Rowohlt, 2004)

52 Griensteidl Mutzenbacherin

Authentic Reading No. 52 (12. März 2017): „1906 erschien in Wien ‚Josefine Mutzenbacher, Roman einer Wiener Dirne von ihr selbst erzählt‘ als Privatdruck und verursachte – im Gegensatz zum sechs Jahre zuvor herausgebrachten ‚Reigen‘ von Schnitzler – keinerlei Skandal. Josefines Geschichte soll als Resultat einer Kaffeehauswette im ‚Café Griensteidl‘ entstanden sein. Dort trafen sich regelmäßig die Literaten vom Literaturkreis Jung-Wien um Hermann Bahr. Zwei von ihnen wurden bald als Autoren ‚verdächtigt‘: Arthur Schnitzler und Felix Saiten.“
Aus: Auf den Spuren der Josefine Mutzenbacher – eine Sittengeschichte von Anna Ehrlich (Amalthea, 2012)

 

51 Aussichten sind überschätzt

Authentic Reading No. 51 (5. März 2017): „Und dann noch vor zum Praterstern, um den neuen Bahnhof zu sehen, der eh nur aus Glas sein wird, fällt ihnen ja nichts mehr ein. Wird ausschauen wie alle neuen Bahnhöfe, wo es nichts mehr zu sehen gibt und der Kebap alles zustinkt. (…) Nur, am Praterstern solls ja jetzt noch ärger zugehen als eh schon immer. Stechen sie sich die Messer jetzt halt hinter streifenfrei geputztem Glas statt zwischen abgesandelten Standln hinein.“
Aus: Aussichten sind überschätzt von Rosemarie Poiarkov (Residenz, 2017)

50-cafe-schwarzenberg

Authentic Reading Nr. 50 (26. Februar 2017): „René Mackensen betrat das Café Schwarzenberg. Als er seinen Mantel aufhängte, warf er kurze, scheue Blicke in den Raum. Er zog die Ärmel seines Tweedsakkos stramm, wischte sich dezent die Nase, griff nach einer Tageszeitung und nahm Platz. Der junge Kellner war höflich und zuvorkommend. Mackensen bestellte einen Einspänner.“
Aus: Chronik einer fröhlichen Verschwörung von Richard Schuberth (Zsolnay, 2015)

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Authentic Reading No. 49 (19. Februar 2017): „Nach ihrer Heirat im Februar 1923 zogen meine Eltern zu den Großeltern in die Buchengasse. Kaum vorzustellen, wie eng wir da beisammen wohnten. Im Zimmer schlief Tante Wicki zusammen mit den Großeltern in den Ehebetten. Tante Hildas Nachtlager wurde auf einem schmalen Sofa zurechtgemacht, auf dem sie nur mit eingezogenen Beinen liegen konnte. Für Onkel Otto wurde abends ein Strohsack aufgelegt, der tagsüber unter den Ehebetten versteckt war. Das Zimmer war der einzige Raum, der geheizt werden konnte.“
Aus: Buchengasse 100 von Oswalda Tonka (Promedia, 2016)

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Authentic Reading No. 48 (12. Februar 2017): „Viele Menschen, die meisten von ihnen Soldaten, strömten aus den Waggons auf den Bahnsteig in die Halle des Südbahnhofs. Ein Zug nach dem anderen spuckte sie aus. Lokomotiven pfauchten. Es war der 4. November, der erste Tag, an dem nicht nur Deserteure und Soldaten auf Urlaub eintrafen, sondern auch Heimkehrer. Noch nicht die von der Front.“
Aus: Die Rote Garde in Wien von Robert Foltin (edition grundrisse, 2016)

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Authentic Reading No. 47 (5. Februar 2017): „Viele der in diesem Buch gezeigten Ghostletters, vor allem jene aus den 50er und 60er Jahren und die wenigen heute noch erhaltenen alten Geschäftsportale Wiens, weisen eine Gemeinsamkeit auf: Sie wurden nicht mittels Schablone oder gar am Computer entworfen, sondern von Hand skizziert, auf das Endmaß übertragen und danach ausgemalt oder manuell aus Metall gefertigt.“
Aus: Ghostletters Vienna von Tom Koch mit Daniel Gerersdorfer und Stephan Doleschal (Falter Verlag, 2016)

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Authentic Reading No. 46 (29. Jänner 2017): „Das Dauerrezept war von einem Professor Dr. Hermann Wagmeister ausgestellt worden, der seine Ordination in der Rotenturmstraße im 1. Bezirk hatte. „Wahrscheinlich Filzmayers Hausarzt“, vermutete Palinski. Es war am Tag nach der Entführung, das heißt, exakt vor vierzehn Tagen ausgestellt worden.“
Aus: Schnitzelfarce von Pierre Emme (Gmeiner, 2005)

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Authentic Reading No. 45 (22. Jänner 2017): „Ich gehe ins Herzblut“, sagt Schwarzkogler. Um drei waren wir im Weinhaus „zum Grenadier“, Vorher entwarf er im Zwölf-Apostel-Keller: Der Goldfisch
weiss, blau, malevich, ives klein. Wasser (kneipp), artaud, silber“
Aus: Con sentimento von Günter Brus in Austropilot – Prosa und Lyrik aus österreichischen Literaturzeitschriften der 1970er-Jahre (Edition Atelier, 2016)

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Authentic Reading No. 44 (15. Jänner 2017): „Otto Trsnjeks kleine Tabaktrafik lag im neunten Wiener Gemeindebezirk an der Währinger Straße, eingezwängt zwischen dem Installationsbüro Veithammer und der Fleischhauerei Roßhuber. Über dem Eingang war ein großes Blechschild angebracht: Tabaktrafik Trsnjek, Zeitungen Schreibwaren Rauchwaren, seit 1919.“
Aus: Der Trafikant von Robert Seethaler (kein & aber, 2012)

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Authentic Reading No. 43 (18. Dezember 2016): „Das Riesenrad stand nun still, die einzelnen Waggons hingen leblos in der Luft. Genauso wie ein menschlicher Körper, der von der Unterseite der am höchsten stehenden Kabine herab baumelte.“
Aus: Mord im Zweiten von Lukas Pellmann (Kladde, 2016)

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Authentic Reading No. 42 (11. Dezember 2016): „Wenig später erreichten Cohn und Pokorny das Kasino am Schwarzenbergplatz, das in einem Palais im Renaissance-Stil untergebracht war. Der jüngste Bruder des Kaisers, Erzherzog Ludwig Viktor, hatte es vor etwa dreißig Jahren bauen lassen, aber da der Erzherzog nun in Salzburg lebte, hatte er sein Palais der Offiziersgesellschaft überlassen.“
Aus: Kanzleimord von Gudrun Smole (Text/Rahmen, 2016)

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Authentic Reading No. 41 (4. Dezember 2016): „Insbesondere an einer Universität wie der unseren in Wien mit ihren sechs- und siebentausend Studenten, die durch Überfüllung den so fruchtbaren persönlichen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern von vornherein hemmte und überdies durch allzu große Treue zu ihrer Tradition gegen die Zeit zurückgeblieben war, sah ich nicht einen einzigen Mann, der mich für seine Wissenschaft hätte begeistern können.“
Aus: Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig (S. Fischer Verlag, 2016)

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Authentic Reading No. 40 (27. November 2016): „Sie durchquerten die Kärntnerstraße, gingen die Seitenfassade des Louvre ab, und am Eingang eines kleinen Gäßchens blieb Milada stehen. Eine einzige rote Laterne brannte am unteren Ende auf und beleuchtete weithin sichtbar die Front des zweistöckigen Hauses, das sich stolz und herausfordernd von seiner baufällig niederen Umgebung abhob. ‚Dort, Fräulein, Olly, ist unser Geschäft.'“
Aus: Der heilige Skarabäus von Else Jerusalem (DVB Verlag, 2016, Erstausgabe 1909 im Verlag S. Fischer erschienen)

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Authentic Reading No. 39 (20. November 2016): „(…) Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) sind Christkindlmärkte ein wesentlicher Bestandteil der Wiener Seele, sobald es draußen kalt und dunkel wird und wir jedes Jahr wieder vom Wintereinbruch überrascht sind, als wären wir zum ersten Mal aus Peru zu Besuch. Christkindlmärkte sehen nur zwei Stunden am Tag gut aus und riechen die restliche Zeit wie der Atemalkohol eines Wiener Rotlicht-Strizzis.
Aus: 111 Gründe, Wien zu hassen von Markus Lust (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2016)

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Authentic Reading No. 38 (13. November 2016): „Hier drinnen, im Stadtpark, ist es hingegen dunkel und ruhig. Ein Vogel krächzt in dieser längsten Nacht des Jahres. Licht gibt nur die Laterne. Plötzlich regt sich etwas im Dunkeln! Auf benachbarten Parkbänken liegen zwei Menschen, beide in Schlafsäcke und Winterjacken eingegraben. Ein Mann und eine Frau! Die Augen der Frau bewegen sich; sie lebt! Drei Plastiksäcke stehen unter ihrer Bank, ein violetter Rollkoffer vor der Bank. Ihre Habseligkeiten.“
Aus: Die Armen von Wien von Uwe Mauch (ÖGB-Verlag, 2016)

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Authentic Reading No. 37 (6. November 2016): „Ich möchte mit meinen Bildern die Vergänglichkeit einer Stadt beschreiben. Außerdem auch die Zerbrechlichkeit ihrer Strukturen, die wir viel zu leicht für unzerstörbar halten.“
Aus: Sezierte Architektur von Kurt Prinz (Text/Rahmen, 2016)

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Authentic Reading No. 36 (30. Oktober 2016):
„FRAU ZITTEL
Sie werden sehen Frau Zittel in Oxford wird sie
die Anfälle nicht mehr haben
hat der Professor gesagt
in Oxford gibt es keinen Heldenplatz
in Oxford ist Hitler nie gewesen
in Oxford gibt es keine Wienerischen Oxford schreien die Massen nicht“
Aus: Heldenplatz von Thomas Bernhard (Suhrkamp, 17. Auflage, 2015)

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Authentic Reading No. 35 (23. Oktober 2016): „Und heute Abend ist Fackelzug. Die Familie Bayer hat die Urbans eingeladen, denn die Bayers haben eine Wohnung auf der Mariahilfer Straße und von ihren Fenstern aus kann man den Fackelzug großartig sehen. (…) Die Großen warten schweigend. Sie starren angestrengt auf die Straße, als wäre es verboten, sich mit etwas anderem als Warten zu beschäftigen.
‚Jetzt kommen sie‘, ruft der Vater aufgeregt.“
Aus: Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit … von Lili Grün, hg. von Anke Heimberg (Aviva, 2016)

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Authentic Reading No. 34 (16. Oktober 2016): „Mit leeren Händen, aber einer Braut an seiner Seite kehrte Bruno nach Wien zurück. Auch Österreich hatte der Schwarze Freitag mit voller Wucht getroffen. Auf der Straße prügelten sich Arbeitslose um einen Platz in der Warteschlange vorm Arbeitsamt. Die Gürtel wurden wieder enger geschnallt. In der Voelcker-Rösterei in der Rabengasse hatte sich in seiner Abwesenheit ein Drama abgespielt.“
Aus: Debilenmilch – Auf den Spuren des legendären Kaffeerösters Bruno A. Sauermann von Christoph Grissemann und Dirk Stermann (Tropen, 2007)

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Authentic Reading No. 33 (9. Oktober 2016): „Es ergibt sich ein lockeres Bergablaufen, ein paar flache Meter zwischendurch, und dann geht es wieder zurück und somit bergauf – eine ideale Strecke für das Intervalltraining. Das sicherste Laufen in Wien! Besonders ideal für Frauen! Hundeverbot! Sehr ruhige und äußerst gepflegte Parkatmosphäre. An schönen Tagen, besonders von Mai bis Oktober, hat man auch jede Menge Zuschauer, deren Anteilnahme schwankt dann zwischen Anerkennung und Reserviertheit.“
Aus: Laufen in Wien (Strecke 2: Belvedere) von Lothar Laaber (Perlen-Reihe, 2011)

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Authentic Reading No. 32 (2. Oktober 2016): „Papperlapp. Komm, Kleines!“ Er hakte sich bei mir unter und zog mich richtung Schweizerhaus. Onkel Gustav war einer der wenigen in der Familie, die ich leiden konnte. „Ein Glas, dann muss ich weg“, sagte ich. „Sicher doch.“ Er hinkte neben mir durch den Gastgarten, an den Hecken vorbei, klapperte mit seinem Gehstock über das Kopfsteinpflaster und schob mich ins Lokal. Drinnen roch es nach Gulasch, Stelze, Krautsuppe und Erdäpfelpuffer. Hinter der Theke wurden soeben mehrere Fässer Budweiser Bier angeschlagen.“
Aus: Seit wann trinken Katzen Whisky? von Andreas Gruber – In Tatort Prater, herausgegeben von Edith Kneifl (Falter Verlag, 2012)

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Authentic Reading No. 31 (25. September 2016): „So dicht wie hier ist die Atmosphäre selten in einem Wiener Kaffeehaus. Im Westend gibt’s nämlich den fließenden Übergang vom Grand Café alter Schule zum Beisl. Manche Gäste verstecken sich hinter klugen Zeitungen, bei den Biertrinkern kann’s auch schon mal laut werden.“
Aus: Kaffeehäuser in Wien von Christopher Wurmdobler (Falter Verlag, 2010)

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Authentic Reading No. 30 (18. September 2016): „Sie fuhren die Alser Straße hinauf, er sah hippe Suppenküchen und Geschäfte für vegetarische Sandwiches, ein Bonbongeschäft, eine Bar namens Camp David, die Humanic-Haltestelle, das St. Anna Kinderspital und schließlich die grünen Eisenbrücken der U6. Am Gürtel den Queen Club und gegenüber den Holland Blumen Mark, der am Ende kein t mehr führen durfte, was aber kaum jemandem auffiel.“
Aus: Groschens Grab von Franzobel (Zsolnay, 2015)

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Authentic Reading No. 29 (11. September 2016): „Im Jahr 1643 wurde wegen zahlreicher Todesfälle durch Ertrinken das wilde Baden in der Donau verboten. Freibäder entstanden. Der Naturheilapostel Florian Berndl pachtete 1900 das Gänsehäufel, eine Insel in der Alten Donau. Da angeblich auch nackt gebadet wurde, kündigte die Donauregulierungskommission 1905 den Vertrag und die Gemeinde Wien übernahm 1906 die Insel, um ein Strandbad zu errichten.“
Aus: Sport in Wien – Ballesterer, Tennisspieler und Athleten in historischen Fotografien von Hans Werner Bousska (Sutton Archiv, 2016)

28-ar-friedhofnamenlosen

Authentic Reading No. 28 (4. September 2016): „Gusseiserne Kreuze, eines wie das andere, als wären alle, die hier begraben liegen, am selben Tag gestorben. Vielleicht sind sie irgendwie miteinander verwandt. Nirgends ein Name, da und dort Pepi und Karl. Mitunter ein Ertrunken am … Rundum Kastanien. Kein Prunk, kein Pomp. Im Hintergrund Lagerhäuser, ein Kran. Der Friedhof liegt in einer Mulde, vom Damm umschlossen.“
Aus: Albern und der Friedhof der Namenlosen mit von Alexander Weiss zusammengestellten Beiträgen (Edition Tarantel, 2015)

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Authentic Reading No. 27 (28. August 2016): „Der Student nahm sein Bier, zahlte mit seinen Schillingen, mit denen er noch nicht so richtig vertraut war, und steuerte auf das Zentrum des Spektakels zu. Unzählige Informationsstände politischer Gruppierungen bildeten hier einen Kreis, der an einer Seite von einer großen Bühne unterbrochen wurde. ‚Alles Kommunisten!‘, vermutete er. Eine südamerikanische Musikkapelle versuchte vergeblich, das versprengte Zuschauergrüppchen am Bühnenrand in Stimmung zu bringen. Das ist jetzt also die Jesuitenwiese!“
Aus: Jesuitenwiese – Ein leicht revolutionärer Poproman von Fanny Blissett (Zaglossus, 2014)

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Authentic Reading No. 26 (3. Juli 2016): „Mich bringt hier keiner weg! Für mich ist unser Goethe-Hof der schönste Gemeindebau Wiens. Er wurde seinerzeit gut gebaut, intelligent gebaut, großzügig gebaut. Heute ist er auch ein wunderbares Beispiel für gelungene Integration. Zwar taten sich die alten sozialdemokratischen Mieter mit ihren neuen Nachbarn anfangs sehr schwer, die Spannungen haben sich jedoch inzwischen gelegt.“
Aus: Stiege 8 / Tür 7 – Homestorys aus dem Wiener Gemeindebau (Metroverlag, 2014)

25-ar-metropolis

Authentic Reading No. 25 (26. Juni 2016): „In der Schönborngasse, im achten Wiener Gemeindebezirk, steht ein fünf Stock hohes Haus an der Ecke zur Josefstädterstraße. (…) Weibliche Köpfe im Halbrelief – es sind die Köpfe von Göttinnen, deren Namen und Treiben bloß in Vergangenheit geraten sind – schmücken den Fries, der oben, oberhalb der letzten Fensterreihe, als zart gerieftes Band um das Gebäude herumläuft.“
Aus: Wien Metropolis von Peter Rosei (Residenz Verlag, 2016)

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Authentic Reading No. 24 (19. Juni 2016): „Und da unten, am Kanal ist die Strandbar Herrmann. Und darüber siehst Du das neue Bundesgebäude. Auf dieses Bürohaus hatte die Behörde vor ein paar Jahren einen riesigen Blechadler montieren lassen. Na, eigentlich nicht den ganzen Adler, sondern nur die Flügel, als Abstraktion des Wappenvogels. Aber im Winter sind monströse Eiszapfen von den Federn geflogen. Bumbs, wie Granaten. Sind auf den Gehsteig aufgeschlagen. Die Stalaktiten haben um ein Haar einen Passanten verfehlt. Bumbs! Richtig gefährlich war das. Also haben Sie den Adler vom Dach geholt.“
Aus: Die erste Geige spielt der Tod von Reinhardt Badegruber (Echomedia, 2009)

23-ar-geisler-buch

Authentic Reading No. 23 (12. Juni 2016): „Als er das erste Mal das Stiegenhaus der öFB-Geschäftsstelle im längst in die Jahre gekommenen Ernst-Happel-Stadion betritt, wird Marcel Koller mit einem Stück Heimat konfrontiert. Er muss an Trix & Flix vorbei. Die mannshohen Maskottchen der gemeinsam mit der Schweiz ausgetragenen Heim-EM strahlen gleich neben der Eingangstür im Parterre um die Wette. Und an den Wänden haben die Bilder vergangener Erfolge schon etwas Staub angesetzt. Oben in seinem neuen Büro angekommen, muss Koller das Gefühl beschlichen haben, dass es höchste Zeit ist für neue Jubelfotos.“
Aus: Frankreich, Wir kommen von Toni Huemer und Markus Geisler (Pichler Verlag, 2016)

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Authentic Reading No. 22 (5. Juni 2016): „Die Fotos hingen in der Ausstellung an der mit Holzplatten verkleideten Wand an Haken übereinander. Vor allem für Moritz, der den Bezirk noch nicht so gut kannte wie Trixi, bot sich hier ein interessanter Überblick. Und zu seiner großen Überraschung befand sich auch eines seiner Fotos an einer der Wände.“
Aus: Hängende Spitze – Teil 4 von Lukas Pellmann (2016)

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Authentic Reading No. 21 (29. Mai 2016): „Wien ist zweifellos die prachtvollste Stadt, die ich je gesehen habe. Auf der gesamten Länge der Ringstraße künden monumentale Bauten von der Vergangenheit einer Kaiserstadt: das Parlament, der Justizpalast, das Naturhistorische Museum, das Kunsthistorische Museum, das Opernhaus, das Burgtheater und vor allem die Hofburg mit ihren 2600 Räumen (…). Sollten jemals Marsmenschen die Erde besuchen, werden Sie sicher in Wien landen, in dem Glauben, dies sei die Hauptstadt des Planeten.“
Aus: Streifzüge durch das Abendland von Bill Bryson (Goldmann Verlag, 2001)

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Authentic Reading No. 20 (22. Mai 2016): „Polarisierung und Vereinfachung bedingen einander. Polarisierung bedeutet das Ansprechen negativer Gefühle, das Aktivieren von Ängsten. Sind die Zuhörer in diesem Zustand, dann gelingt es erfolgreichen Demagogen, ihnen ein Programm zu verkaufen – auch eines, das ihnen zum Nachteil gereichen kann. (…) Die Bevölkerung wird in GUTE und in BöSE eingeteilt. Die Zuhörer – im Banne ihrer Gefühle – glauben, bei den GUTEN zu sein. Ihnen wird suggeriert, Sie seien von den BöSEN bedroht.“
Aus: Haider light – Handbuch für Demagogie von Walter Ötsch (Czernin Verlag, 2000)

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Authentic Reading No. 19 (16. Mai 2016): „Pünktlich um halb acht standen Sie vor dem Gerngross. Weil nicht vorgesehen war, dass Sally und Erik einander schon getroffen hatten, ging Erik voraus auf die Dachterrasse, um einen Tisch zu besetzen. Sally platzierte sich im Eingangsbereich und wartete auf Nadja. Sie kam nach wenigen Minuten. Sie führen mit dem Lift nach oben und begrüßten Erik. Unmittelbar danach Begriff Sally, dass Sie bei der Begrüßung zu gelassen gewesen war.“
Aus: Alles über Sally von Arno Geiger (Hanser, 2010)

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Authentic Reading No. 18 (8. Mai 2016): „Zum Trost erzähle ich, wie ich aus Stockholm hierher kam und dann blieb. Vielleicht muss man in dieser Stadt mit so etwas rechnen, sage ich, auch jemand, der nie Pläne gehabt hat, nach Israel, New York oder Rom weiterzureisen. Der Russe ist der gleichen Ansicht. Er für seinen Teil hatte früher große Pläne für sein zukünftiges Leben, kam aber niemals weiter als bis zum Wiener Flohmarkt, einem Abladeplatz nicht nur für Krempel und Trödelkram, sondern auch für ganze Menschenleben. Ich verstehe, was er meint. Aber bei mir liegt der Flohmarkt sozusagen im Blut.“
Aus: Wiener Flohmarktleben von Richard Swartz (Zsolnay, 2015)

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Authentic Reading No. 17 (1. Mai 2016): „[…] dass die Sozialdemokratie beschlossen hatte, erstmals in ihrer Geschichte kein großes Fest zum ersten Mai zu veranstalten. Der Rathausplatz war voll mit Ständen einer Berufsbildungsmesse, das Fest im Prater war an eine Event-Agentur ausgelagert worden, die dafür sorgte, dass keine politischen Botschaften das lustige Treiben störten. Die Mehrheitsgesellschaft war sich einig: Hauptsache, rote Luftballons.“
Aus: Sumpfwandertag von Alexander Lippmann (Zaglossus, 2014)

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Authentic Reading No. 16 (25. April 2016): „Endlich wird den Juden erlaubt, eine Synagoge zu bauen. Es soll eine große, schöne Synagoge werden, mit Messing und Marmor geschmückt. Zwischen Oberer Gasse und Haupt-Gasse. Jakob Tressel hat 5.000 Gulden gespendet, Perman Fränkel 3.000, Zacharias Mayr 10.000, Abraham Höcht auch 5.000 und aus Prag sind 10.000 Gulden gekommen. (…) Dann wird es die schönste und größte Synagoge werden, die es jemals in Wien gab.“ –
Aus: In der Judenstadt von Claudia Erdheim (Czernin, 2015)

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Authentic Reading No. 15 (17. April 2016): „Urbs durchforsten alles, auch die ‚Innere Stadt‘, sozusagen das Herz von Wien, das kräftig und schnell pocht. Reges Leben schlängelt sich durch die Hauptschlagadern und die vielsprachige Geräuschkulisse, die von regelmäßigen Hufklängen begleitet wird, rauscht sanft bis in die kleinste Seitenarterie. Ein Hauch von Mystik fließt durch Vor- und Hinterhöfe historischer Bauten, uralte Geschichten klammern an den kräftigen Wänden und der Hauch eines vergangenen Jahrhunderts durchströmt die starken Herzkranzgefäße. (…) Am Michaelerplatz befindet sich nicht nur eine Grabung, die Einblicke in die römische Geschichte erlaubt, sondern auch die Michaelerkirche.“
Aus: Wien geht von Jine Knapp (Rittberger+Knapp, 2011)

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Authentic Reading No. 14 (10. April 2016): „Eine Besonderheit des Café Demel ist auch die Nähe zur Kunst. Das Zuckerbäckerhandwerk ist hier Kunstwerk im wahrsten Sinne des Wortes: Besitzer Berzeviczy-Pallavicini etablierte die künstlerische Schaufenstergestaltung, für die der Demel heute berühmt ist. Zuckerfiguren wie die „Gräfin Krach geborene Mandel“ oder ein übergroßes Fabergé-Ei werden kreiert, die den Originalen in Sachen Kunstfertigkeit zur Ehre gereichen.“
Aus: 50 Dinge, die ein Wiener getan haben muss von Gruber/Mendel (Pichler Verlag, 2015)

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Authentic Reading No. 13 (3. April 2016): „Der Bücherschrank befand sich im türkischen Restaurant Mimoza am Siebenbrunnenplatz.Manche wollten nicht im Restaurant sitzen, also packten ihnen die Angestellten ihre Mahlzeit in Alufolie und weiße Styroporschachteln ein, ungeachtet dessen, ob sie etwas Flüssiges, wie etwa eine Suppe, oder etwas Festes, wie eine gebratene Hühnerkeule mit Kartoffeln und Reis, mitnehmen wollten. Auf dem Platz spielte sich der ewige Kampf zwischen Amor und blankem Hass ab.“
Aus: Superheldinnen von Barbi Marković (Residenz, 2016)

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Authentic Reading No. 12 (28. März 2016): „Und da liest man dann in der Zeitung, wie gefährlich es am Schöpfwerk ist, weil das Crack, oder wie der Dreck heißt, die Leute so aggressiv macht, daß Sie dir den Kopf abschneiden. Aber niemand schreibt über die tiefere Ursache. Niemand schreibt über die Burenwurst.“
Aus: Komm, süßer Tod von Wolf Haas (Rowohlt, 1998)

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Authentic Reading No. 11 (20. März 2016): „Im Bahnhofscafé in Floridsdorf bestellte das Paar um 9 Uhr 45 einmal Berner Würstel mit Pommes und einmal Fleischlaberl mit Reis. Das musste Gerda ihnen höflich aus dem Kopf schlagen: ‚Tut mir leid, warme Küche erst ab halb zwölf.'“
Aus: Die Sprachlosigkeit der Fische von Margit Mössmer (Edition Atelier, 2015)

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Authentic Reading No. 10 (13. März 2016): „Jeden Morgen fuhr Sie mit dem Zug nach Wien, wo Sie im kürzlich errichteten Großkaufhaus Steffl auf der Kärntner Straße als Dekorateurin arbeitete. Es war kein leichter Job, flankiert von Küchenmixern, Etageren und Schaufensterpuppen auf den Knien herumzurutschen, aber er verschaffte ihr ein wenig Geld und Freiheit.“
Aus: Der letzte große Trost von Stefan Slupetzky (Rowohlt, 2016)

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Authentic Reading No. 9 (6. März 2016): „Im Hotel Orient, das mit der denkwürdigen Adresse ‚Tiefer Graben‘, soll schon Kaiser Franz Joseph mit seiner Mätresse abgestiegen sein. Hier wurde ‚Der Dritte Mann‘ mit Orson Wells gedreht. Und das Hotel diente etlichen Schriftstellern als Muse und Kulisse.“
Aus: Ein Jahr in Wien von Tonja Pölitz (Herder, 2014)

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Authentic Reading No. 8 (28. Februar 2016): „Wir saßen im Café Heumarkt, wo die Zeit seit den 1960ern stehengeblieben zu sein schien und der Motor für das Kühlaggregat des Tortenschranks die Handyklingeltöne ausdämpft. Lopper hatte seinen fünfundachtzigsten Geburtstag vor sich und ich war neugierig auf seine Erzählungen aus tausendundeinem Austria-Jahr.“
Aus: Mister Austria. Das Leben des Klubsekretärs Norbert Lopper von Johann Skocek (Falter Verlag, 2014)

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Authentic Reading No. 7 (21. Februar 2016): „In Franks Zimmer stand eine Schneiderpuppe, früher einmal im Besitz einer Prostituierten, die im Hotel ein ständiges Zimmer gehabt hatte. Es war eine ziemlich kräftige Puppe, mit dem angeschlagenen Kopf einer Schaufensterpuppe drauf, der – wie Freud behauptete – aus einem der großen Kaufhäuser in der Kärntner Straße gestohlen worden war.“
Aus: Hotel New Hampshire von John Irving (Diogenes, 1982)

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Authentic Reading No. 6 (14. Februar 2016): „So bin ich also wieder zur Kirche gegangen, habe mich von meiner dunklen Koje aus auf den Weg gemacht, über die Straße, über die Brücke, die andere Seite des Kanals entlang bis zur großen Backsteinkaserne, dann die Allee hinauf (…). Keine Angst mehr, im Bauch dieses Kirchenschiffs unterzugehen, vielmehr die Befürchtung, von der steinernen Kälte, der diffusen Dunkelheit, dem Kirchen-Dunst allzu sehr in Beschlag genommen, benommen zu werden davon.“
Aus: Die Blickfängerin von Eva Schörkhuber (Edition Atelier, 2013)

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Authentic Reading No. 5 (7. Februar 2016): „Chicago trägt den Beinamen ‚Windy City‘, aber Wien würde Chicago in einem Contest glatt wegpusten. So wie das Wetter in Hamburg genauso schlecht ist wie in London, nur nicht so berühmt, so verhält es sich mit Wien und dem Wind, vor allem am Stephansplatz, dem Zentrum der Stadt und dem Auge des Winds. Sophie ist der Meinung, der Stephansdom stünde dort nur, damit man sich bei stürmischem Wind dran festhalten kann.“
Aus: 6 Österreicher unter den ersten 5 von Dirk Stermann (Ullstein, 2010)

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Authentic Reading No. 4 (31. Jänner 2016): „Das Riesenrad dominiert den so genannten Wurstelprater, einen Teil des ehemaligen kaiserlichen Jagdgebietes östlich des Pratersterns, der 1766 durch Kaiser Joseph II. öffentlich zugänglich gemacht wurde.“
Aus: Wien gestern und heute von László Lugo Lugosi (Edition Fotohof, Otto Müller Verlag, 2006)

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Authentic Reading No. 3 (24. Jänner 2016): „Auf den Spuren von Inspector Joseph Nechyba Wien entdecken. 33 Spaziergänge führen an Orte im heutigen Wien, die Inspector Nechyba während seiner Ermittlungen im Wien der Jahrhundertwende ebenfalls besucht hat.“
Aus: Nechybas Wien von Gerhard Loibelsberger (Gmeiner, 2012)

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Authentic Reading No. 2 (17. Jänner 2016): „Und der Augarten natürlich ein bisschen Labyrinth. Wenn der Brenner geglaubt hat, er kommt bei der Porzellanmanufaktur heraus, ist er beim Kinderschwimmbad gelandet, wenn er geglaubt hat, Jüdische Schule, ist er bei den Sängerknaben herausgekommen, wenn er geglaubt hat, runder Flakturm, war er beim eckigen Flakturm, Irrgarten nichts dagegen.“
Aus: Wie die Tiere von Wolf Haas (Rowohlt, 2001)

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Authentic Reading No. 1 (10. Jänner 2016): „Der Naschmarkt war eine kunterbunte Insel mitten in Wien. Eine Oase. Vom Getreidemarkt bis zur Kettenbrückengasse. Ein Stand neben dem anderen.“
Aus: Die Tote vom Naschmarkt von Beate Maxian (Goldmann, 2011)

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